Full text: Die Textilindustrie sämtlicher Staaten

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Kamerun. 
Betreffs der Herkunftsländer gilt hier das gleiche, wie bei Deutsch-Ostafrika 
erwähnt. Die wirkliche Einfuhr aus Deutschland beträgt nach einer Zusammen 
stellung in der „Statistik des Deutschen Reiches, Band 271, Heft XIV“ annähernd 
2 Mill. Mark. Die restlichen 4,12 Mill. Mark sind wahrscheinlich Stoffe und 
Kleider, die ihren Weg aus England über Hamburg gemacht haben. 
Inlandsverbrauch an Textilwaren. 
Die Einfuhr betrug 9,37 Mill. Mark. 
Kamerun hatte 1912 eine Bevölkerung von ungefähr 2651000. 
Der Verbrauch an Textilwaren pro Person und Jahr betrug demnach: 
3,54 Mark mit Jutewaren. 
Baumwollgewinnung. 
Über die Baumwollkultur wird erwähnt, daß im Jahre 1912 umfangreiche 
Maßnahmen zur Förderung des Baumwollanbaues ergriffen und zwei Versuchs 
stationen errichtet wurden. Abgeschlossene Ergebnisse liegen jedoch noch nicht vor. 
Einfuhr von Textilwaren in Kamerun. 
Im amtlichen Berichte über Kamerun wird erwähnt, daß der Einfuhrwert 
gegen 1911 etwas gefallen ist, immerhin macht jedoch die Einfuhr der Textil 
waren den vierten Teil der Gesamteinfuhr aus. Zurückgegangen ist die Einfuhr 
von Baumwollgeweben, während die Einfuhr an baumwollenen Kleidungsstücken 
stark gestiegen ist. Es erklärt sich dies aus dem Umstande, daß die Neger 
große Neigung haben, fertige europäische Kleider zu besitzen. In fertigen 
Kleidungsstücken wird alles vom billigsten baumwollenen Hemde bis zum ele 
ganten Straßenanzug eingeführt. Der Bezug erfolgt großenteils durch die Post 
an der Hand von Katalogen, die den Eingeborenen besonders von Warenhäusern 
in großer Menge zugesandt werden. 
Nächst den Baumwollwaren sind Garne und Waren aus Leinen und 
Jute erheblich an der Einfuhr beteiligt. In der Anschreibung sind auch Dach 
leinen und Säcke enthalten. Letztere, meist wasserdicht hergestellt, dienen 
zum Transport der Waren ins Innere, um sie auE den monatelangen Märschen 
vor Verderb gegen Feuchtigkeit zu schützen. Dazu treten wasserdichte Zelt 
bahnen zu Reisezwecken, Segeltuch und Persenninge für Wasserfahrzeuge. 
Die als Leinenwaren angemeldeten Bekleidungsstücke bestehen meistens aus 
Halbleinen. Eingebürgert haben sich im letzten Jahre Drillichhosen und 
-jacken. Der Bedarf an Garn zur Fabrikation von Wurf- und kleinen Zug 
netzen ist fortgesetzt im Steigen begriffen. Im Gegensatz zu den Baumwoll 
waren ist die Einfuhr der Waren aus Leinen, Jute usw. etwas gestiegen. 
Die übrigen zu den Textilwaren und Bekleidungsgegenständen zählenden 
Artikel haben weniger Bedeutung als die vorgenannten Arten. Den höchsten 
Wert zeigen Hüte und Mützen. Kopfbedeckungen sind bei den Negern sehr 
beliebt. Getragen werden am meisten Sportmützen, Südwester und Stroh
	        
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