54
und des Verschwindens der Unternehmer hin. Denn wenn keine
günstige Situation vorliegt und es infolgedessen nach Schum-
peters Aussagen. bei gleicher Begabung aller Wirtschafts-
subjekte zu einem „scharenweisen‘“ Auftreten der neuen Unter-
nehmungen nicht kommen kann, wie soll es erst die beschränkte
Zahl der vorhandenen begabten Individuen dazu bringen? Man
kann eben dann nur annehmen, daß doch eine günstige Situation
für die Unternehmerschar deshalb besteht, weil sie in der Statik
fehlen und deshalb die Daten dort nicht mit beeinflussen. Daraus
folgt aber, daß Schumpeter seine Behauptung, daß sich der
Aufschwung jedesmal wieder aus einem annähernden Gleich-
gewichtszustand erhebt und der Unternehmer das primäre Agens
der Entwicklung darstellt?), nur dann aufrecht erhalten kann,
wenn er die Unternehmer aus der Statik ausschließt. Denn würde
der Unternehmer ein Datum des statischen Systems sein,
so müßte, wenn auch nur annähernd ein Gleichgewicht herrschen
sollte, diese Größe entsprechend berücksichtigt werden, und für
die Unternehmer bestünde infolgedessen am Ende der De-
pression überhaupt keine Möglichkeit, etwas mit Erfolg zu
ändern. Man kommt also dann zu dem Schluß, daß die von
Schumpeter gegebene Erklärung für das Auftreten der Unter-
nehmer nicht ausreicht, sondern noch eine andere Erklärung
im Hintergrunde stehen muß, die uns Schumpeter jedoch
verschweigt.
Schumpeters Ausführungen, daß das Wirtschaftssubjekt
mit Unternehmermotiven nicht in das Schema eines Gleich-
gewichtszustandes gepreßt werden könne, daß der Konjunktur-
zyklus kein Perpetuum mobile sei?), sondern sich jedesmal,
durch die primäre Ursache des Unternehmers hervorgerufen,
aus der Depression aufs neue erhebt, und schließlich, was ja schon
daraus folgt, daß wirtschaftliche oder außerwirtschaftliche
Datenänderungen nur fördernde Bedingungen, nicht Ursache
des Auftretens der Unternehmer sind und man daher von einer
Wirtschaft mit konstanten Daten ausgehen kann, führen also
1) Vgl. z. B. Schumpeter, Entwicklung, S, 97, 334ff., 357. Schum-
peter, Joseph, Die Wellenbewegung des Wirtschaftslebens, Arch. f,
Sozialwiss. u. Sozialpol., 39. Bd., Tübingen 1915, S. 5/6, 25.
2) ebda., S. 6.