Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Vorsitzende,  Frau  Wally  Zepler  als  Schriftführerin  und  Frau  Klotz  sch
als  Kassiererin  gewählt,  die  sämtlich  die  ganze  Zeit  über  in  diesen  Posten
verblieben,  d.  h.  regelmäßig  wiedergewählt  wurden.  Außer  ihnen  gehörten
dem  Vorstand  die  Frauen  Jordan  und  Kulicke,  Frl.  Petereit  und
Frau  Zach  au  an.  Der  Vorstand  unterhielt  stets  Fühlung  mit  den  sozialdemokratischen ­
  weiblichen  Vertrauenspersonen  von  Berlin  und  Amgegend,  und
wenn  der  Verein  auch  nicht  direkt  in  die  politische  Bewegung  Angriff,  so
ließ  er  es  sich  doch  nicht  nehmen,  Geldmittel  für  die  sozialistische  Agitation
aufzubringen.  Bis  zum  Jahre  1905  wurden  von  ihm  in  runder  Summe
4000  Mk.  diesen  Zwecken  zugeführt.  Seinen  Bildungsaufgaben  hat  er
durch  Veranstaltung  von  Vorttägen,  Kunstabenden  und  den  Besuch  von
Wohlfahrtsanstalten,  wissenschaftlichen  und  Kunstinstituten  entsprochen,  die
Vorträge  behandelten  naturgemäß  meist  Fragen  der  Sozialpolitik  und
sozialen  Geschichte,  doch  fehlten  auch  nicht  solche  aus  den  Gebieten  der
Kunst,  Literatur  und  allgemeinen  Wissenschaft,  wie  wir  neben  den  Namen
bekannter  Vorkämpfer  der  Sozialdemokratie  auch  denen  von  außerhalb  der
politischen  Sphäre  wirkenden  Vertretern  von  Kunst  und  Wissenschaft,  wie
Wilh.  Lolzamer,  Th.  Kappstein,  Max  Osborn  und  anderen  begegnen. ­
  Die  Mitgliedschaft  des  Vereins,  der  lange  Zeit  der  geistige
Mittelpunkt  der  propagandistisch  tätigen  Sozialistinnen  Berlins  war  und
in  der  Ausbildung  von  Streiterinnen  für  die  Befteiung  der  Arbeiterinnen
viel  geleistet  hat,  hob  sich  allmählich  bis  auf  tausend  und  geht  erst  wieder
zurück,  seitdem  den  Frauen  der  Beitritt  in  die  sozialdemokratischen  Vereine
ermöglicht  ist.
Besondere  Erwähnung  verdient  eine  Erhebung  über  die  Lage  der
Leimarbeiterinnen  Berlins,  die  der  Verein  für  Frauen  und  Mädchen  der
Arbeiterklasse  im  Winter  1903/04  im  Linblick  auf  den  von  der  Generalkommission ­
  der  Gewerkschaften  Deutschlands  auf  den  7.  März  1904  nach  Berlin
einberufenen  Allgemeinen  Leimarbeiterschutz-Kongreß  veranstaltete,  und  über
die  eine  sehr  gute,  von  Frau  Marie  Lofmann  herausgegebene  Schrift:
„Aus  der  Berliner  Leimarbeit"  (Berlin  1904,  Selbstverlag)  Auskunft  gibt.
Durch  Versendung  bezw.  Verteilung  von  zweckmäßig  abgefaßten  Fragebogen ­
  und  persönlichen  Besuch  von  Leimarbeiterinnen  nebst  Amfrage  erhielt ­
  der  Verein  315  Antworten,  deren  Einzelheiten  von  den  an  der  Erhebung ­
  beteiligten  Mitgliedern  systematisch  zusammengestellt  und  in  der
Denkschrift  durch  nähere  Schilderungen  der  erfolgten  Zustände  eindrucksvoll ­
  ergänzt  wurden,  so  daß  die  Schrift,  ttotzdem  sie  nur  einen  kleinen
Abschnitt  aus  der  Welt  von  Not  und  Elend  bloßlegt,  die  das  Wort
„Leimarbeit"  deckt,  doch  einen  sehr  verdienstlichen  Beitrag  zur  Kennzeichnung ­
  dieses  Krebsschadens  des  modernen  Wirtschaftslebens  bildet.
„Sollten  wir  in  der  Tat  das  tiefste  Elend  nicht  gefunden  haben,"  heißt
es  in  der  Schrift,  „so  ist  das  eine  wahrhaft  erschütternde  Vorstellung  angesichts ­
  der  trüben  Bilder  schwerer  Not  und  hoffnungslosen  Entbehrens,
welche  unsere  Blätter  in  zu  reicher  Fülle  enthalten."
*  *
*  d
Auf  dem  Leimarbeiterschutz-Kongreß  selbst,  der  'vom  5.  bis  7.  März
im  Berliner  Gewerkschaftshaus  tagte  und  von  188  Delegierten  besucht  war,
wessen  wir  unter  diesen  Delegierten  auch  die  meisten  bekannteren  Vor-
            
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