Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

Jahr  Besuch  Jahr  Besuch
1888  123  877  1901  315  364
1889  124  150  1902  314  654
1890  123  519  1903  308  867
1891  127  083  1904  308  786
1892  127  759  1905  309  359

Durchschnitt  1888/92  125  278  Durchschnitt  1901/05  311  406
Äier  ist  die  rasche  Steigerung  vornehmlich  dem  Amstand  geschuldet,
daß  das  frühere  Asyl  der  Gesellschaft,  an  dessen  Stelle  im  Jahre  1897
das  jetzige  getreten  ist,  erheblich  weniger  Raum  darbot  als  dieses.  Am
dem  immer  stärkeren  Andrang  Genüge  leisten  zu  können,  wurde  von  der
Gesellschaft  1896/97  ein  neues  Asyl  gebaut,  das  mit  dem  dazugehörigen
Grund  und  Boden  über  750000  Mark  gekostet  hat.  Das  1905  in  Angriff
genommene  und  1907  vollendete  neue  Frauenasyl  dieses  Vereins  kostete
mit  dem  Grundstück  nahezu  900  000  Mark.
Man  kann  für  statistische  Zwecke  nicht  schlechthin  die  Zahlen  des  Asylvereins ­
  mit  denen  des  städtischen  Obdachs  zusammenstellen.  Denn  bei  den  sehr
verschiedenen  Grundsätzen,  nach  denen  die  Anstalten  geleitet  werden,  sind  es
nicht  durchweg  die  gleichen  Leute,  die  sie  aufsuchen;  es  geht  mancher  in  die
„Wiesenburg",  der  das  städtische  Obdach  meidet.  Da  indes  derselbe  Mensch
nicht  zugleich  in  beiden  Anstalten  nächtigen  kann,  ergibt  die  Zusammenrechnung ­
  doch  einen  Anhalt  für  die  Zunahme  der  Obdachbedürftigen
Berlins.  Wäre  das  Asyl  des  Asylvereins  nicht  vergrößert  worden,  so
würde  der  Andrang  beim  städtischen  Obdach  einfach  ein  noch  stärkerer
gewesen  sein,  als  wie  er  sich  jetzt  darstellt.  Ziehen  wir  also  beide  Zahlen
zusammen,  so  erhalten  wir  für  die  erste  Periode  (1888/92)  einen  Durchschnitt ­
  von  381  956  und  für  die  zweite  (1901/05)  einen  solchen  von
903  345  Besuchern  im  Jahr,  was  auf  den  Tag  für  die  erste  Periode  rund
1040  und  für  die  zweite  Periode  rund  2470  Besucher  ergibt.  Damit  ist
die  Zahl  der  jeweilig  Asylbedürftigen  natürlich  nicht  erschöpft,  da  es  vor
beiden  Anstalten  gewöhnlich  einen  großen  Prozentsatz  von  Leuten  gibt,  die
wegen  Äberfüllung  oder  aus  andern  Gründen  zurückgewiesen  werden,  viele
Obdachlose  aber  sich  den  Asylen  fernhalten.  Nicht  das  Bedürfnis  nach
Obdach,  sondern  die  Größe  der  Anstalten  und  die  Anterkunftsbedingungen
bestimmen  heute  die  Besucherzahl.  Wie  stark  aber  das  Bedürfnis  ist,
zeigt  das  Anschwellen  der  Besuchsziffern,  sobald  Vergrößerung  der  Anstalten ­
  eintritt.  Bis  1887  bewegte  sich  die  Zahl  der  Besucher  des  städtischen
Asyls  um  100  000,  von  1888  ab,  d.  h.  seit  Eröffnung  des  neuen  Obdachs,
ist  205  000  die  niedrigste  Zahl.  Dies  leitet  mit  Notwendigkeit  zu  dem
Schluß,  daß  in  den  Jahren  vorher  täglich  200  bis  300  Personen  hatten
im  Freien  nächtigen  oder  ihre  letzten  Pfennige  für  Schlafgeld  hingeben
müssen,  die  nun  in  den  Asylen  Obdach  fanden.  Die  polizeilichen  Einlieferungen ­
  wegen  Obdachlosigkeit  liefern  für  ihre  Zahl  keinen  Anhaltspunkt,
weil  sich  die  meisten  Obdachlosen  der  Polizei  zu  entziehen  wissen.  Jedenfalls ­
  aber  hat  mit  der  Vergrößerung  der  Asyle  die  Zahl  der  Einlieferungen
wegen  Obdachlosigkeit  merklich  abgenommen.  1890  waren  es  9189,  1905
dagegen  3511  solcher  Fälle.
Zurückgegangen  ist  in  dieser  Zeit  auch  die  Zahl  der  wegen  Prostitution
unter  die  sogenannte  sittenpolizeiliche  Kontrolle  gestellten  weiblichen  Personen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.