Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Weltanschauung. 
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trachtete er als einen von besonderen ideellen Urphänomenen 
durchwirkten Gesteinskörper, als einen Organismus. Und weit 
darüber hinaus hat er seine Betrachtungsweise selbst auf die 
spröden Gebiete der reinen Physik und Chemie noch aus— 
gedehnt. 
Das ist der Zusammenhang, in dem seine Farbenlehre ver⸗ 
ständlich wird, wenn sie auch zunächst durch rein ästhetisch- 
psychologische Bedürfnisse in ihm angeregt wurde, durch die 
Notwendigkeit nämlich, die warme und kalte, die aufregende 
und die beruhigende Wirkung gewisser Farben und Kolorite 
zu erklären. 
Goethen mußte da bei seiner ganzen Anschauungsweise 
ein Betrieb der Naturwissenschaft unverständlich bleiben, der 
eine Reduktion der physikalischen und chemischen Erscheinungen 
nur auf quantitative Momente vornahm: wo hätten da die 
qualitativ unterschiedenen Urphänomene, die Ideen bleiben 
sollen? Fern stand er darum dem Begriffe der mechanischen 
Kausalität überhaupt, wie ihn seit der weiteren mathematischen 
Durchbildung der Mechanik im 17. Jahrhundert die Welt der 
Naturforscher ständig verwertete und wie ihn Newton zu der 
heute geltenden Erklärung der Erscheinungen des Lichtes an⸗ 
gewandt hatte. Von seinen allgemeinen naturphilosophischen 
Voraussetzungen aus bedurfte der Dichter vielmehr auch in 
der Welt der reinen physikalisch-chemischen Erscheinungen der 
Annahme qualitativer Momente: denn nur diese konnten die 
anschauliche Erkenntnis verschiedener, hinter den physikalisch⸗ 
hemischen Erscheinungen stehender Urphänomene vermitteln. 
Und schienen solche qualitative Elemente nicht gerade in 
der Farbenwelt, in der verschiedenen psychologischen Wirkung 
der einzelnen Farben, vorhanden zu sein? Von dieser Wirkung 
ging er aus: als die polaren Gegensätze innerhalb der Skala 
dieser Wirkungen erschienen ihm bald Licht und Finsternis, 
und es gelang ihm seiner Auffassung nach, experimentell deren 
Mischung zu Gelb, einem durch Finsternis gedämpften und 
darum warmen Licht, und Blau, einer durch das Licht ab⸗ 
geschwächten Finsternis und dadurch kalten Farbe, sowie zu
	        
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