Full text: Denkschrift betreffend die Neuregelung der handelspolitischen Beziehungen Deutschlands zu den Vereinigten Staaten von Amerika

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ergab sich der innere Zwiespalt unseres politischen Lebens, 
der häufig genug in dem feindlichen Gegensatz zwischen dem 
Reichstag und dem Preußischen Abgeordnetenhaus sich offen 
barte. Nur eine machtvolle Persönlichkeit, wie die des ersten 
Reichskanzlers, konnte die schlimmen Folgen dieses inneren 
Konfliktes abwenden. Unter seinen Nachfolgern aber traten 
sie grell zutage, und sie machten sich besonders dort empfind 
lich bemerkbar, wo dem Auslande gegenüber eine energische 
Vertretung unserer politischen Machtstellung als dringend ge 
boten erschien. Wie oft sind begründete und berechtigte Forde 
rungen an der Inkonsequenz und Systemlosigkeit unserer Politik 
gescheitert! Im Innern offenbarte sich diese politische Schwäche 
in dem Gegensatz der zwischen unserer Handels- und Flotten- 
Politik, zwischen unserer Sozial- und Zollpolitik besteht. Der 
Kampf um rein materielle Interessen hat entschieden zur Ent 
wertung unseres politischen Lebens beigetragen. Er ist ver 
antwortlich für die politische und soziale Zerrissenheit unserer 
Kation. Er hat die einzelnen Klassen und Berufsstände gegen 
einander aufgehetzt und überall die zerstörende Saat des Hasses 
Und der Unruhe gesät. 
Es ist kein Wunder, daß unter solchen Verhältnissen auch 
das Ansehen unseres Parlamentarismus leiden mußte. In dem 
Widerspruch, der zwischen den Landtagen und dem Reichs 
tag zum Ausdruck gelangte, lag die Ursache dafür, daß die 
Parlamentarische Tätigkeit immer reicher an Reibungen, Anf 
ügungen und Mühen und immer unfruchtbarer an wirklich 
erfreulichen erfolgreichen Ergebnissen geworden ist. Die 
Parlamente werden heute nicht mehr von der nationalen Be 
geisterung getragen, die im Anfang der Reichsgeschichte zur 
Herrschaft gelangt war. Wir finden in ihnen nicht mehr die 
großen führenden Persönlichkeiten, die sich den gewaltigen 
Nationalen Aufgaben gewachsen zeigten und die so wirksam 
a ’N dem weiteren Ausbau der Reisinstitutionen gearbeitet hatten. 
Unabsehbar ist die Gefahr, die dadurch herauf beschworen 
w ird, daß der Staat seine Hoheitsrechte in den Dienst der rein 
Privatwirtschaftlichen Rentabilität stellt. Dadurch erweckt er 
schrankenlose Begierden, die sich um so rücksichtsloser gel- 
tend machen, je bevorzugter die wirtschaftliche und soziale 
Page der Kreise ist, die eine solche staatliche Begünstigung
	        
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