Object: Die politische Ökonomie des Rentners

Der Objektivismus und der Subjektivismus in der politischen Oekonomie 37 
enthalten sei. Die anarchisch aufgebaute moderne Gesellschaft 
— die Theorie der politischen Oekonomie macht eben diese 
Gesellschaft zum Gegenstand ihrer Forschung — mit ihren ele- 
mentar wirkenden Kräften des Marktes (Konkurrenz, Schwan- 
kung der Preise, Börse usw.) bietet zahlreiche Illustrationen für 
die Annahme, daß das „soziale Produkt‘“ über seine Schöpfer 
herrsche, daß ferner das Ergebnis der Motive der indi- 
viduellen (doch nicht isolierten) Wirtschafts-Subjekte nicht nur 
diesen Motiven selbst nicht entspricht, sondern sogar mitunter 
in einen krassen Gegensatz zu denselben gerät‘. Dies wird am 
besten am Beispiel der Preisbildung klar. Eine Anzahl von Käu- 
fern und Verkäufern treten auf den Markt mit einer gewissen 
(annähernden) Wertschätzung ihrer eigenen sowohl wie der 
fremden Ware; als Ergebnis: ihres Kampfes bildet sich ein ge- 
wisser Marktpreis, der keinesfalls mit den individuellen Schätzun- 
gen der überwiegenden Mehrzahl der Vertragschließenden zu- 
sammenfällt. Noch. mehr, für eine Reihe von ‚,Wirtschaftssub- 
jekten‘ kann der gebildete Preis geradezu vernichtend wirken, 
da niedrige Preise sie zwingen können, ihre Unternehmertätigkeit 
aufzugeben; sie werden „ruiniert‘. Noch ausgeprägter tritt diese 
Erscheinung auf dem Wertpapiermarkte hervor, worauf gerade 
das „Hazardspiel‘‘ der Börse beruht. In all diesen Fällen, die für 
die. moderne sozial-wirtschaftliche Organisation typisch sind, 
kann man von der „Unabhängigkeit‘“ der sozialen Erscheinungen 
vom Willen, Bewußtsein und den Absichten des Menschen spre- 
chen; doch ist diese Unabhängigkeit keinesfalls so aufzufassen, als 
ob es sich um zwei Erscheinungen handle, die völlig unabhängig 
voneinander wären; es ist lächerlich, anzunehmen, daß die 
menschliche Geschichte nicht durch den Willen der Menschen 
hindurch gemacht wird, sondern außerhalb dieses Willens (eine 
1" Schon dieser Umstand allein zerstört völlig die teleologische Auffassung 
von der Gesellschaft als eines „Zweckgebildes‘“, die wir besonders ausgeprägt 
bei Stolzmann finden. „Ebenso wie man im Leben der Natur jede Zweck- 
richtung, jede systematische Absicht, Ersparnis, Oekonomie der Kräfte .. . 
vermißt, so auch bei den Beziehungen der Menschen untereinander“ (Prof. 
Wipper: „Grundzüge einer Theorie der geschichtlichen Erkenntnis“, Moskau 
1911, S. 162). Siehe auch die glänzende Darstellung der „Unabhängigkeit“ 
des Ergebnisses individueller Handlungen bei Engels: „Ludwig Feuer- 
bach“. R. Liefmann klammert sich in seiner Kritik der „Sozialen“, d. h. 
der objektivistischen Methode, gerade an die Kritik der teleologischen Auf- 
fassung, wobei er behauptet, daß dies von jedem Vertreter dieser Methode 
konsequenterweise akzeptiert werden müßte. Sogar die Marxisten (z. B. 
Hilferding) klagt er der Teleologie an, über die er dann einen leichten Sieg 
davonträgt. In der Tat aber handelt es sich beim Marxismus um die Ge- 
sellschaft als einem subjektlosen System.
	        
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