Full text : Denkschrift betreffend die Neuregelung der handelspolitischen Beziehungen Deutschlands zu den Vereinigten Staaten von Amerika

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Die  Lederindustrie  vertritt  denn  auch  mit
Entschiedenheit  den  Standpunkt,  daß  man  Amerika
nicht  mehr  soweit  entgegenkommen  dürfe,  wie
bisher,  wenn  sich  nicht  Amerika  zur  Herabsetzung
seiner  Zölle  verstehe.*)  »Da  die  deutschen  Hauptexportartikel ­
  in  der  Union  heute  bereits  von  dem
Maximaltarif  getroffen  sind«,  schreibt  ein  an
der  Ausfuhr  nach  der  Union  hervorragend  beteiligter ­
  Lederindustrieller  Deutschlands,  »welcher
wesentlich  höher  ist  als  der  neue  deutsche  Zolltarif, ­
  so  kann  ich  nicht  einsehen,  daß  bei  der
Kündigung  des  nordamerikanischen  Vertrages  und
Herbeiführung  eines  vertragslosen  Zustandes  ein
Zollkrieg  erfolgen  muß;  vielmehr  bin  ich  der  Meinung, ­
  daß  eine  wirkliche  Reziprozität  nur  erreicht
werden  kann,  wenn  Amerika  eine  Zeit  hindurch
die  Maximalzölle  des  deutschen  Zolltarifs  empfunden ­
  haben  wird.«  .  .  .  »Man  sollte  versuchen«,
so  läßt  sich  eine  Firma  aus  der  Nähe  von  Frankfurt, ­
  die  Ledergalanteriewaren  nach  drüben  exportiert, ­
  vernehmen,  »durch  Verweigerung  des  ganzen
Konventionaltarifs  die  Union  zu  zwingen,  Deutschland ­
  entgegenzukommen.«
»Von  der  Erwägung  ausgehend,  daß  die
Gleichheit  der  Konkurrenzbedingungen  die  wesentlichste ­
  Voraussetzung  für  die  Aufnahme  des  Wettbewerbes ­
  auf  den  ausländischen  Märkten  bildet,
ist  auch  bei  einem  zukünftigen  Handelsvertrag
mit  den  Vereinigten  Staaten  möglichst  vollständige
Parität  der  beiderseitigen  Lederzölle  und  gleichmäßige ­
  Feststellung  aller  mit  der  Zollbehandlung
verbundenen  Modalitäten  zu  erstreben.«
Ähnliche  Äußerungen,  sowie  solche  darüber,
daß  wir  der  Union  nur  einen  kleinen  Teil  unseres
Konventionaltarifes  gewähren  dürfen,  wenn  sie  uns
nicht  weiter  entgegenkommt  als  bisher,  liegen
uns  aus  der  Lederindustrie  mehrfach  vor.
C.
Was  nun  die  Wünsche  der  deutschen  Lederindustrie ­
  im  einzelnen  betrifft,  so  ist  dazu  zu  bemerken ­
  :
Lackierte  und  gefärbte  Kalbleder  zahlen
bei  uns  einen  Zoll  von  etwa  2,6°/ 0  vom  Wert;
gewichste  etwa  von  2°/ 0 .  In  der  Union  zahlen
lackierte  Kalbleder  unter  ioPfund  engl,  per  Dutzend
Häute  etwa  40%;  über  10  Pfund  engl,  etwa  30%;
Wichs-,  farbige  usw.  Kalbleder  etwa  20%  vom
Werte.
Bei  einer  Reduktion  der  derzeitigen  amerikanischen ­
  Zölle  um  20%  würde  sich  in  lackiertem ­
  Kalbleder  wahrscheinlich  eine  nennenswerte
Hebung  der  Ausfuhr  erzielen  lassen.  Die  inlän-*)

  »Wo  bleibt  denn  da  [wenn  das  Vertrags  Verhältnis  so
fortdauert]  die  Industrie«,  fragt  eine  Firma  ganz  erstaunt.
            
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