Full text : Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

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Die  Berichte  der  Magdalenenheime  Wissen  so  eindrucksvoll  von
ganz  jungen,  geistig  und  moralisch  entarteten  Dirnen  zu  reden.
Derartige,  in  ihrem  ganzen  Seelenleben  falsch  gerichtete  Wesen
werden  in  der  Zukunft  eher  wie  heute  von  kundigen  sozialpädagogischen ­
  Augen  erkannt  werden.  Ihnen  werden  sich  sofort  die  Türen
der  fortgeschrittensten  Erziehungsanstalten  öffnen.
Die  vergeistigte,  sittlich  vertiefte  Frau  der  Zukunft  wird  vor
dem  Gedanken  erschauern,  daß  sic,  nein,  ihre  Geschlechtsorgane  nur
der  kurzweiligen  Lust  des  Mannes  dienen  sollen.  Je  verinnerlichter
sie  ist,  um  so  höher  sic  ihre  Gcsamtpersönlichkeit  wertet,  um  so
mehr  wird  sie,  wenn  sie  sich  dem  Manne  gibt,  von  diesem  auch  die
Hingabe  seiner  ganzen  Persönlichkeit  verlangen.  Die  Ehe  wird
eben  zu  einem  körperlichen  und  geistigen  Zusammenweben  zweier
Persönlichkeiten  werden,  nicht  zu  einem  bloßen  Teilen  von  Tisch
und  Bett.
Und  in  dieser  werdenden  geistigen  und  sittlichen  Ehe  dürfte
mehr  wie  bisher  der  Gedanke  leben,  die  Ehe  mit  vollem  Bewußtsein
zu  einem  stolzen,  in  die  Zukunft  ragenden  Bau  zu  gestalten.  Vielleicht ­
  bricht  einst  in  der  sozialen  Geschichte  die  Tendenz  mit  Elemcntarkraft
  durch,  daß  die.  Ehe  den  großen  sozialen  Zweck  der  Veredelung ­
  und  Vervollkommnung  des  Menschengeschlechtes  planmäßig
gu  erfüllen  hat.  Und  damit  würde  die  Ehe  als  Fortpflanzungs-  und
Veredelungsinstitut  des  Geschlechts  eine  höhere  soziale  Wertschätzung
gerade  im  Hinblick  auf  den  unfruchtbaren  sinnlichen  Liebesverkehr
gewinnen.  Die  Ehe  erschöpft  ihren  Zweck  eben  nicht  in  dem  Sinnesrausch ­
  zweier  Ehegatten,  sie  baut  sich  weit,  weit  über  die  Gegenwart
hinaus:  sie  ist  Trägerin  der  Zukunft  der  Menschheit.  .  Gerade  das
triumphierende  Recht  der  Witter  und  des  Kindes  dürfte  dem  persönlichen ­
  sexuellen  Vergnügen  des  Mannes  große  Schranken  setzen.
Mutz  doch  heute  schon  in  der  normalen  Che  vielfach  die  Sinneslust
des  Mannes  dem  höheren  Gattungsinteresse  weichen!  Das  Recht
der  Gattung  wird  erstarken.  Es  ist  wohl  nicht  anzunehmen,  daß
die  Ehe  dereinst  zu  einem  bloßen  unfruchtbaren  Vergnügungsinstitut
herabsinkt,  und  daß  die  kinderlose  Ehe  oder  die  Ehe  mit  einem  oder
mit  zwei  Kindern  allgemein  herrschen  wird.  Gerade  die  vertiefte
soziale  Ethik  dürfte  im  Interesse  der  Vervollkommnung  der  menschlichen ­
  Rasse  den  Stab  über  die  gattungsvernichtende  künstliche  Unfruchtbarkeit ­
  brechen.
Doch  genug  der  Zukunftsträumereien!  Nicht  verträumtes
Sinnen,  sondern  zielklares  Handeln  heischt  der  heiße  eherne  Kampf
der  Gegenwart.  Noch  starren  in  voller  Rüstung  die  sozialen  Klassen.
Erst  mit  der  Ueberwindung  der  Klassengegensätze,  mit  der  Begründung ­
  des  allgemeinen  Wohlstandes  wird  die  Prostitution  als
soziale  Klassenerscheinung  verschwinden.  Und  der  Ueberwindung
dieser  historischen  Form  der  Prostitution  gelten  zunächst  unsere
Kämpfe.
            
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