Full text : Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

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Widerstand  mit  Schlägen,  Hunger  und  Kerker  bestraft,  bis  es  nicht
mehr  geht  und  sie  schließlich  der  Krankheit  und  den  Mißhandlungen
erliegen!"
Es  sind  wahre  Großschlächter  in  Menschenfleisch,  diese  entarteten
Mädchenhändler!  Henne  am  Rhyn  erzählt  von  einem  „Haus
Langer",  das  mit  seinen  zahlreichen  Agenten  den  Mädchenhandel^
auf  großkapitalistischer  Basis  betrieb.  Aus  Rußland  und  Galizien
k  lief  die  Menschenware  in  die  Zentralstelle  Wien.  Als  endlich  die
Polizei  nach  dem  Scheusal  Langer  und  seiner  Tochter  griff,  befanden
sich  gerade  sieben  junge  Mädchen  auf  Lager.  Zu  gleicher  Zeit  lief
an  die  Tochter  Langers  die  Depesche  ihres  „Korrespondenten"  in
Warschau  ein:  „Waren  in  Warschau  erhalten.  Achtung!  Verlange
Unterstützung.  Banrnwollc."
In  dem  Prozeß  gegen  den  berüchtigten  Mädchenhändler  Israel
Meyerowitz  erfuhr  man,  nach  Dr.  Henne  am  Rhyn,  „daß  der
Mädchenhandel  in  Rußland  straflos  ist,  und  daß  man  von  dort  aus
in  einem  einzigen  Jahre  acht-  bis  zehntausend  junge  Mädchen  nach
Südamerika  befördert  und  dort  die  Person  zu  750  bis  12  500  Fr.
verkauft  worden  sind".
In  der  denkwürdigen  Reichstagssitzung  vom  6.  Februar  1894
trat  der  Abgeordnete  Bebel  als  öffentlicher  Ankläger  gegen  den
Mädchenhandel  auf.  „Der  Mädchenhandel  ist  schlimmer  als  der
Negersklavenhandel,"  schrieb  damals  die  fromme  „Evangelische
Kirchenzcitung",  „und  es  ist  eine  Schande  für  unser  Volk,  daß  solche
Dinge  geschehen  können,  und  demütigend,  daß  der  Führer  der  sozialdemokratischen ­
  Partei  genötigt  ist,  mit  der  Hinweisung  auf  sie  den
Anfang  zu  machen."
Der  gedankenlosen  Lobrcdner  der  Bordelle  gibt  es  leider  noch  in
Deutschland  —  namentlich  unter  den  Medizinern  —  die  Hülle  und
Fülle.  Sie  mögen  sich  endlich  einmal  in  das  so  blut-  und  tränenreiche ­
  Kapitel  der  Geschichte:  in  die  Geschichte  des  Mädchenhandels
vertiefen.  Dann  werden  sie  Wohl  endlich  begreifen,  welche  schwere
Verantwortung  sie  auf  sich  laden,  wenn  sic  sich  zu  Verteidigern  der
Bordelle  aufschwingen.  Wer  den  Bordellen  das  Wort  redet,  der
macht  sich  zum  Anwalt  der  Scheußlichkeiten  des  Mädchenhandels!
Die  Bordelle  entmenschen  vollständig  die  Prostituierten  und
werfen  sie  den  widernatürlichsten  Lüsten  in  die  Arme.  Die  Bordelldirnen ­
  sind  durchweg  rettungslos  verloren,  sic  entarten  körperlich
und  seelisch  ganz.  Schon  der  Statistiker  Dr.  S.  Huppe  bemerkte  in
seiner  bekannten  Arbeit  über  „Das  soziale  Defizit  in  Berlin",  daß
die  Berliner  Bordelldirnen  auf  den  tiefsten  Boden  moralischer  Verwahrlosung ­
  hcrabglitten.  „Während  im  Jahre  1868,"  so  schreibt  er
in  dieser  Arbeit,  „427  Dirnen  wegen  Eintritt  in  ein  Dienst-  oder
Arbeitsverhältnis  aus  der  Kontrolle  entlassen  werden  konnten  und
1625  Dirnen  am  Schluffe  des  Jahres  zurückblieben,  im  Jahre  1869
aber  854  auf  1776  verbleibende  kamen,  fanden  sich  im  Jahre  1854,
wie  ein  Bericht  vom  15.  Februar  1855  meldet,  nur  drei  Bordell-
            
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