Full text : Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

48

wird  von  den  Dirnen  zurzeit  nur  von  zwei  Straßen  gemacht)  .  .  .
Diese  Vorschriften,  namentlich  aber  die  Beschränkung  der  Dirnen
auf  einige  Straßen,  haben  sich  vollständig  bewährt.  Die  städtischen
Straßen,  die  früher  von  den  Dirnen  in  bedenklichster  Weise  unsicher
gemacht  wurden,  sind  sozusagen  rein  geworden.  Damen  können,  abgesehen ­
  von  einzelnen,  wohl  überall  vorkommenden  Roheiten,  gut
bis  10  Uhr  abends  allein  über  die  Straße  gehen,  die  Reinhaltung
der  Häuser,  namentlich  in  denen  Kinder  wohnen,  von  dem  Gift
der  Prostitution,  ist,  soweit  überhaupt  möglich,  gelungen,  und  es  ist
der  Verbreitung  von  Geschlechtskrankheiten  ein  starker  Abbruch
getan."  .  .  ..  „Es  wird  ebensowenig  gelingen,  die  Unzucht  abzuschaffen, ­
  wie  den  Diebstahl,  die  Trunksucht  usw.,  am  wenigsten  geschieht ­
  es  auf  dem  Wege,  daß  man  zwar  die  der  Unzucht  verfallenen
Frauenspersonen  auf  alle  erdenkliche  Weise  verfolgt,  gegen  die  sie
verführenden  oder  doch  zur  jedesmaligen  Ausübung  der  Unzucht
veranlassenden  Männer  nicht  vorzugehen  wagt,  deren  Vergehen  im
Gegenteil  ungerügt  läßt  oder  womöglich  gar  als  „noble  Passion"
in  Schutz  nimmt.  Ist  es  nun  unmöglich,  der  Unzucht  vollkommen
zu  steuern,  dann  soll  man  wenigstens  dafür  sorgen,  daß  sie  nicht
überwuchert,  und  dies  kann  nur  durch  ihre  Lokalisierung  geschehen.
Nicht  den  wirklichen  Bordellen  soll  das  Wort  geredet  werden,  d.  h.
Wirtschaften,  die  mit  staatlichem  Privilegium  und  unter  polizeilicher
Aufsicht  Kuppelei  treiben  und  durch  ihre  bequeme  und  womöglich
elegante  Einrichtung  der  Unzucht  Vorschub  leisten.  Wohl  aber  soll
man  die  Dirnen,  die  sich  nun  doch  einmal  öffentlich  bloß  gestellt
haben,  in  gewisse  Stadtteile  verweisen."
Es  darf  nicht  verschwiegen  werden,  daß  mitunter  gerade  die
Kasernierung  der  Prostitution  die  vollständigste  Zerrüttung  der
gesellschaftlichen  Ordnung  in  den  Prostituiertenquartieren  herbeiführte. ­
  Die  königl.  Polizeivcrwaltung  der  Stadt  Kassel  hob  die
Kasernierung  der  Prostitution  auf,  weil  diese  die  brutalsten  Ausschreitungen ­
  in  den  Bordellstraßen  provozierte.  „Die  Prostituierten,"
so  schrieb  der  königl.  Polizeidirektor  von  Kassel  an  die  „Deutsche
Gesellschaft  zur  Bekämpfung  der  Geschlechtskrankheiten",  „wohnten
bis  Ende  des  vorigen  Jahrhunderts  in  einem  engen,  abgelegenen
alten  Stadtteil,  Haus  an  Haus,  auf  nur  wenige  Straßen  verteilt.
Die  versteckte  Lage  dieses  Stadtteiles,  die  alte  und  unvollkommene
Bauart  und  Beleuchtung  seiner  Häuser  und  Straßen,  die  dadurch
bedingte  Unvollkommenheit  der  Beaufsichtigung  begünstigten  neben
der  Anhäufung  so  vieler  Prostituierten  auf  kleinem  Raum  das  gefährliche ­
  Treiben  der  Zuhälter  derart,  daß  sich  nicht  nur  Lärm-  und
Prügelszenen,  sondern  auch  Messerstechereien  und  schwere  Schlägereien ­
  in  bedrohlicher  Weise  häuften,  und  kein  Passant  jenes  Stadtteiles ­
  bei  Nacht  seines  Lebens  sicher  war.  Die  Polizeibehörde  sah
sich  daher  veranlaßt,^  das  Wohnen  der  Prostituierten  in  jenem  Stadtteil ­
  zu  verbieten.  Zurzeit  wohnen  die  seßhaften  Prostituiertest  im
ganzen  Stadtbezirk."
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.