809) Die Art der Feststellung der Produktionskosten. 151
auf den Wert des Produktionsmittels wirken, werden so zu Faktoren der Produktions—
kosten selbst.
Der Unternehmer kann die Produktionskosten auf verschiedene Weise einteilen:
zunächst in specielle und in Generalkosten; zu den ersteren rechnet er, was er für Roh—
ttoff, Lohn u. s. w. bezahlt, zu letzteren die allgemeinen Ausgaben für Steuern, Ver—⸗
icherung, unter Umständen seinen eigenen Unternehmergewinn, auf den er möglichst
ommen muß. Unter den speciellen Produktionskosten stehen die Posten für Lohn und
ür Kapital (Maschinen, Gebäude, Grundstücke) in der Regel voran; die Aufwendung
ür Kapital zerfällt in solche für umlaufendes und stehendes; das stehende wird häufig
weiter unterschieden in Grundstücke, für welche Grundrente zu zahlen ist, und das uͤbrige
stehende Kapital. Doch sind das alles Unterschiede, die mehr für die privatwirtschaft⸗
iche Buchung als für unsere volkswirtschaftliche Betrachtung Bedeutung haben. Für
letztere zerfallen sämtliche Elemente der Produͤktion hauptsaͤchlich in zwei Gruppen:
in solche, welche leicht zu haben, in größerer Menge vorhanden, jederzeit durch andere
ähnliche zu ersetzen sind; z. B. gewöhnliche Arbeiter, gewöhnliche Roh- oder Hülfsstoffe,
gewöhnliche Kapitale, die ein tüchtiger Geschäflsmann jeden Tag, wenn er sie bei dieser
Zank nicht erhaͤlt, bei jener sich verschaffen kann; und 2. die, welche nur schwer oder
uur in geringerer Qualität oder gar nicht ersetzbar sind: besondere Eigenschaften des
Unternehmers oder seiner Beamten und Werkmeister, besondere Geschäftslage, besonders
wertvolle Wasserkräste, Grundstücke von besonderer Qualität. Alle die sub 2 genannten
klemente gehören zu denen, die in relativ beschränktem Umfang oder gar ganz selten
vorhanden sind. Ist die Nachfrage schon so stark, daß die Produktion zu den ge—
cingeren Produktionselementen überging, so haben sie einen größeren oder kleineren
Selienheitswert. Oder vielmehr der gestiegene Preis für das fertige Produkt giebt
dem Produzenten, der sie benutzt, einen groͤßeren UÜberschuß als den übrigen: einen
Extragewinn, eine Rente, wie man es genannt hat. Und sobald derselbe die Wahr⸗
scheinlichkeit hat, einige Zeit zu dauern, so äußert sich das, soweit es sich um stehende
stapitale, Grundstücke, Wasserkräfte, Erzlager handelt, in der Art, daß sie entsprechend
dem kapitalifierten Extragewinn einen hoheren Kapitalwert erhalten. Wer sie vom
zisherigen Eigentümer kauft, bezahlt für diese Grundstücke und Gebäude, für Wasserkraft
und die Firma so viel mehr und rechnet nun die landesübliche Verzinsung dieser
Kapitalsumme unter seine Produktionskosten. Soweit es sich um besondere persoönliche
Figenschaften handelt, entsteht dadurch ebenfalls ein Erxtragewinn, eine Quasirente, wie
man es genannt hai, die freilich nicht kapitalisiert werden kann. So erscheint die
Beschränklheit gewisser Produktionselemente als ein wichtiger Faktor der Produktions-
kosten, der freilich sich im einzelnen immer schwer feststellen läßt. Besonders je weiter
wir die Produktionskosten zurückverfolgen, desto weniger werden wir sicher sagen können,
in welchen Stoffen, Maschinen, Arbeilen eine solche stecke, ob und inwieweit die hiefür
gezahlten Preise durch Seltenheitsprämien erhöht seien. Aber fast nirgends werden
sie ganz fehlen, an vielen Punkten spielen sie die entscheidende Rolle. Und es war
eine vollständige Verschleierung der Thatsachen, wenn man die Seltenheit nur in Bezug
auf den landwirtschafilich benutzten Boden anerkennen und gar in Bezug auf seine
Produkte den Einfluß der Beschränktheit durch die Redewendung, wie wir vorhin be—⸗
merkten, scheinbar eliminieren wollte, die Grundrente bilde kein Element der Produktions—
kosten, weil der schlechteste und entfernteste noch angebotene und nötige Boden keine solche
Grundrente gebe Denn die Beschränktheit des guten und nahe gelegenen Bodens hat
die Nachfrage zu höherem Gebot veranlaßt, die Preise so gesteigert, daß die Rente
entstand, und sie bildet nun mit ihrer Konsequenz erhöhten Kapitalwerts des Bodens
ein wesentliches Element im ganzen Produktionsprozeß, in den Beziehungen aller Einzel—
wirtschaften untereinander, in der Aufstellung aller Produktionskostenrechnungen.
Ähnlich wie die Seltenheit spielt die Zeit, in welche die Funktion jedes Pro—
duktionselementes fällt, eine wichtige Rolle in jeder Produktionskostenaufstellung. Man
hat seit Carey den Satz aufgestellt und als Regel angenommen, daß nicht die Pro—
duktions⸗, sondern die Revroduktionskosten den Wert bestimmen. Man meint damit