fullscreen: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik. 
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so viel wurde, schließlich unter Assistenz namentlich der histo⸗ 
rischen Teleologie Kants, erreicht, daß sich wenigstens politische 
Geschichte und Verfassungsgeschichte unter dem halborganischen 
Begriffe der Staatengeschichte zusammenschlossen. Im übrigen 
zeigte sich, was die Anfänge neuer Kulturzeitalter so häufig 
kennzeichnet: radikal wurde wohl der Charakter und das Be— 
dürfnis des Neuen ergriffen und begriffen, aber die Ausführung 
scheiterte an dem Mangel der Mittel zur intimeren Bewältigung 
der gestellten Aufgabe und angesichts des ganz überwältigenden, 
sich von Tag zu Tage häufenden Stoffes, der zu durch— 
dringen war. 
Da war denn kein Zweifel: am ehesten war auf dem neuen 
Gebiete ein bestimmter Vorstellungsgehalt noch von enthusiasti— 
schen, halb philosophischen Meinungen zu erwarten. Und hier 
nun schenkte Herder der Nation in seinen Ideen zur Philosophie 
der Geschichte der Menschheit ein Meisterwerk!. Herders Ideen 
haben in späteren Zeiten außerordentlich eingewirkt und wirken 
noch heute. Allein daß sie gerade in ihrer Zeit und bald 
darauf Klarheit geschaffen und Schule gebildet hätten, kann 
man schwerlich behaupten. Flach war der kulturgeschichtliche 
Gedanke schon seit Mitte etwa der sechziger Jahre durch die 
sogenannten Menschheitsgeschichten vorweggenommen worden, 
deren erste bedeutendere die Iselins war; Arbeiten, in denen 
sich die Probleme der heutigen Anthropologie, Anthropo⸗ 
geographie und Kulturgeschichte im engeren Sinne noch un— 
entfaltet nebeneinanderlagerten. Die wenigen späteren Er⸗ 
scheinungen dieser Art haben dann durch Herders Ideen nicht 
gewonnen. Daneben und danach ist denn wohl auch eine 
kulturgeschichtliche Literatur entstanden, in der Herders Einfluß 
mehr oder weniger durchscheint, so vor allem in den Arbeiten 
Heerens; allein auch hier ist man zu einer wirklichen Begriffs⸗ 
bildung, worauf es doch im Verlaufe exakter wissenschaftlicher 
Forschung vor allem ankommt, nicht gelangt. Auf einem be— 
sonderen Gebiete, dem der Mythologie, wucherte vielmehr, in 
S. Band VIII, 2, 324 ff.
	        
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