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liegt also eine Verringerung der Mittel, die zur Deckung der
Bedürfnisse vorhanden sind, nicht vor. Ob ich Fische fange
oder auf die Hasenjagd gehe, ob ich eine Vergnügungsreise
unternehme, anstatt mir einen Perserteppich zu kaufen, immer
steht mir ein Arbeitstag bzw. eine Geldsumme von 300 fl. zur
Verfügung, Daß unser Wirtschaftssubjekt das‘ Bedürfnis nach
Hasengenuß bzw. nach einem Perserteppich nicht befriedigt,
liegt also nicht daran, daß ein Verlust an Befriedigungsmitteln
erfolgt, sondern hat seinen Grund an dem Auftreten von Be-
dürfnissen mit höherem Grenznutzen. Eine Wohlfahrtseinbuße
findet demnach gar nicht statt. Das führt zu der Erkenntnis,
daß der Substitutionsgedanke hier gar nicht in Anwendung
kommen kann, da ein Verzicht auf anderweitige Genüsse im
Falle des Verlustes der Fische bzw. der Vergnügungsreise zu
Ersatzzwecken gar nicht möglich ist. Böhm-Bawerk wendet
ihn aber doch an, indem er meint, daß man die Fische bzw.
die Vergnügungsreise entweder direkt nach dem Arbeitstag
bzw. nach den 300 fl., oder aber nach dem aufgegebenen Hasen-
genuß bzw. dem aufgegebenen, irgendwie gearteten Genuß, den
der Perserteppich verschafft, anschlagen könne, niemals aber
beide Größen kumulativ in Rechnung stellen dürfe. Böhm-
Bawerk gerät also hier in Widerspruch mit seinen an anderer
Stelle über den Substitutionsgedanken gemachten Ausführungen,
denn jetzt hält er es für möglich, daß man Güter mit höherem
unmittelbaren Grenznutzen mit dem Werte von Gütern ver-
anschlagt, die überhaupt nicht vorhanden sind, die niemals zu
Ersatzzwecken herangezogen werden können. Daß der Fehler
nicht dort, sondern bei der anläßlich der Kritik der Abstinenz-
theorie gegebenen Formulierung zu suchen ist, dürfte wohl klar
sein. Deutlich tritt das hervor, wenn man folgende Erwägung
anstellt. Es ist gar nicht einzusehen, weshalb ich für die Be-
wertung des tatsächlich erlangten Genusses nur die Bedürfnis-
gattung mit dem nächst niederen Grenznutzen, nicht aber auch
alle meine sonstigen unbedeckten Bedürfnisse in die Betrachtung
einbeziehen soll, so daß ich letzten Endes zum Werte Null ge-
langen muß. Wir sehen wenigstens keine Schranke, die uns
veranlassen könnte, vorher Halt zu machen. Die Schranke, die
bei dem richtig entwickelten Substitutionsgedanken darin