Full text : Untersuchungen über das Versicherungswesen in Deutschland

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I.  Geschäftliche  Versicherung.

Aus  der  Natur  der  Transportversicherung  ergibt  sich  ohne  weiteres,
daß  die  Versicherten  bei  der  Kaskoversicherung  Schiffseigentümer  sind
und  bei  der  Warenversicherung  diejenigen  Kaufleute,  welche  Warensendungen ­
  von  einem  Ort  zum  anderen  und  insbesondere  über  See  zu
spedieren  haben.  Da  Deutschland  vor  allem  Rohstoffe  aus  überseeischen
Ländern  importiert  (Getreide,  Baumwolle,  Holz,  Erze,  usw.  usw.),  so
sind  es  insbesondere  die  Importeure  dieser  Artikel,  welche  einen  großen
Teil  der  Versicherungsprämien  an  die  Versicherungsgesellschaften  absühren.
Allein  es  ist,  wie  schon  oben  ausgeführt,  auch  hier  zu  berücksichtigen,
daß  gerade  bei  Kaufverträgen  dieser  Art  sehr  häufig  die  „cik-Klausel"
in  Anwendung  kommt.
Beim  Export  deutscher  Industrie  wird  die  Versicherung  sehr  häufig
durch  den  Spediteur  ausgeführt,  welcher  die  Spedition  des  betreffenden
Artikels  übernommen  hat  und  zu  diesem  Zwecke  sehr  häufig  eine  sogenannte
Generalpolice  abschließt,  worauf  die  einzelnen  Posten  im  gegebenen  Falle
deklariert  werden.
Die  Höhe  der  Prämieneinnahmen  im  Verlaufe  der  letzten  Jahrzehnte
ergibt  sich  aus  Tabelle  II  (s.  S.  173).
Daraus  ergibt  sich,  daß  die  Prämieneinnahmen  von  47  Millionen
im  Jahre  1887  auf  187  Millionen  im  Jahre  1910  gestiegen  sind.  Es
ist  dabei  eine  beinahe  ununterbrochene  und  größtenteils  gleichmäßige
Steigerung  der  Prämieneinnahmen  zu  beobachten.  Es  dürfte  dies  in
erster  Linie  damit  zusammenhängen,  daß  der  Warenumsatz  in  den  letzten
zwei  Dezennien  an  Umfang  außerordentlich  zugenommen  hat.  Aus
Vergleich  von  Tabelle  I  und  II  ergibt  sich  auch  vor  allem,  in  wieviel
höherem  Maße  die  Prämieneinnahmen  im  Vergleich  zu  den  Aktienkapitalien
der  Versicherungsgesellschaften  zugenommen  haben,  was  zweifellos  auf  einen
wesentlich  größeren  Umsatz  und  dadurch  einen  intensiveren  Betrieb  des
Transportversicherungsgeschäfts  hinweist.
Ein  wesentlich  anderes  Bild  bietet  sich,  wenn  man  berücksichtigt,
in  welchem  prozentualen  Verhältnisse  die  Schadenzahlungen  zu  den
für  eigene  Rechnung  eingenommenen  Prämien  stehen.
Im  Jahre  1887  waren  es  70,3  °/o,  aber  bereits  im  Jahre  1891
betrug  der  Prozentsatz  76,2  %,  im  Jahre  1896  78,0%;  im  Jahre  1904
ging  zwar  der  Prozentsatz  wiederum  auf  71,7  zurück,  um  sich  jedoch
1907  wiederum  auf  78,5  und  1908  auf  79,0°/»  zu  erhöhen.
Es  ergibt  sich  daraus,  welch  außerordentlichen  Schwankungen  gerade
das  Transportversicherungsgeschäft  unterworfen  ist  und  welch  großes
Risiko  die  einzelnen  Gesellschaften  laufen.  Im  umgekehrten  Verhältnis
            
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