Object : Gesamtstaat, Dualismus und Pragmatische Sanktion

neuem  und  expresse  an,  daß  seine  Länder  «zu  ebigen
Zeitten  unczerthailter  bey  dem  Eltisten  unserer  Sune  »
verbleiben.  Die  unsichere  Ausdrucksweise  im  Testament,
die  in  der  Zeit  zwischen  Testament  und  Kodizill  zur  Eindeutigkeit ­
  erstarkt,  deutet  darauf  hin,  daß  Karl  erst  in  der
Zwischenzeit  von  spanischer  Seite  her,  vielleicht  durch  den
Traktat  Molinas  über  die  Majorate  1  oder  unmittelbar
durch  einen  Habsburger  der  spanischen  Linie,  näher  aufgeklärt ­
  wurde,  wie  die  Grundidee  Herzog  Rudolphs  IV.  nach
spanischem  Muster  zu  formulieren  sei.  Als  sich  Erzherzog
Karl  im  Jahr  1570  einen  Ordensbruder  Molinas,  den  Jesuitenpater ­
  Stephan  Rimel,  der  kurz  vorher  auf  Wunsch  des
Erzherzogs  in  Graz  Missionspredigten  gehalten  hatte,  zum
Beichtvater  erkor  2 ,  kehrte  dieser  bemerkenswerterweise  in
Begleitung  eines  Spaniers  in  die  Residenz  des  Erzherzogs
zurück  3 .  Den  beiden  folgten  bald  darauf  andere  Jesuiten,
es  kam  im  J  ahre  1573  zur  Gründung  ihres  Grazer  Kollegiums,
und  im  Jahre  1586,  ungefähr  zur  Zeit  der  Abfassung  des
erwähnten  Kodizills,  erfolgte  die  feierliche  Eröffnung  der
für  sie  geschaffenen  Universität.  Ihr  Einfluß  auf  den  Hof
Karls  ist  unverkennbar  und  wurde  schon  öfter  gewürdigt.
Ihre  Verbindung  mit  den  spanischen  Jesuiten  kann  nicht
in  Zweifel  gezogen  werden.  Sie  haben  wohl  auch,  mindestens
mittelbar,  zum  Inhalt  der  letztwilligen  Anordnungen  Karls
beitragen  können,  begünstigt  durch  die  Gemahlin  Karls,
Maria,  gefördert  durch  den  streng  katholisch  gesinnten
Bruder  derselben,  den  Herzog  Wilhelm  von  Bayern,  der
seinen  Schwager  bei  der  Abfassung  des  Testamentes  beraten
hat  4 ,  und  in  intensiver  Fühlung  mit  dem  Vertrauens-1
  De  Hispaniorum  primogeniorum  origine  ac  natura,  1573  >  in
Deutschland  scheint  die  3.  Auflage,  Cöln  1588,  sehr  verbreitet  gewesen ­
  zu  sein.
2  P.  Rimel  blieb  es  bis  zu  seinem  Tode  1572.  Sein  direkter  oder
mittelbarer  Nachfolger  war  P.  Johann  Reinei,  wohl  identisch  mit
dem  von  Alfons  Huber,  Geschichte  Österreichs,  Bd.  IV,  Gotha
1892,  erwähnten  «Jesuitenrektor».
3  Hurter,  Bd.  I,  S.  255.
4  Hurter,  Bd.  II,  S.  273,  zitiert  hiezu  ein  Kodizill  der  Erzherzogin ­
  als  Beleg.
            
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