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Die gefährlichsten Rivalen und Konkurrenten waren nun durch
nahe verwandtschaftliche Verbindung gewonnen. Anton Fugger,
der bestimmt war, in der nächsten Generation an die Spitze
des Fuggerschen Geschäftes zu treten, war jetzt Hans Paum-
gartners d. J. Schwager geworden und von dem gegenwärtigen
Leiter der Fuggerhandlung, Jakob dem Reichen, besagt eine
Notiz, dass er seinen jungen Verwandten „fast“ lieb gehabt
haben soll 1 ).
Hans Paumgartner war nach seiner Verheiratung im väter
lichen Geschäft tätig und stand dem Vater zur Seite. Dieser
zog sich dann — nahe dem sechzigsten Lebensjahr — mehr
und mehr zurück. Der damalige weltumspannende Handel
erforderte jüngere Kräfte. Am 12. November 1515 gab der
Vater dem Sohn „alle Gewalt, mit Hab, Gütern und Geld zu
handeln und zu hantieren nach seinem Ermessen“. Seitdem
finden wir auch tatsächlich Hans d. J. in Urkunden und Ver
trägen als Inhaber der Firma genannt, obwohl er zunächst
noch unter väterlicher Oberaufsicht die Geschäfte erledigte 2 ).
Als im Oktober 1515 der kaiserliche Rat Blasius Hölzl in Augs
burg weilte und mit den Kaufleuten wegen eines Anlehens
verhandelte, zog Hans Paumgartner zu den Beratungen neben
seinem Teilhaber Lucas Gassner auch seinen Sohn bei. Da
damals den Fuggern auf lange Zeit hinaus alles Silber ver
schrieben war, und diese nichts abtreten wollten, so konnte
trotz mehrtägiger Verhandlungen kein Silbervertrag mit den
Paumgartnern abgeschlossen werden 3 ). Im Jahre 1516, als
Maximilian gegen Venedig im Felde lag, gab Paumgartner zu
Verpflegung der Kriegsknechte zusammen mit Hans Auslasscr
Gatten 6000 fl mit in die Ehe gebracht. Hans Paumgartner d. J. zahlte
seit 1512 in Augsburg Steuer und zwar zunächst jährl. 100 fl. (Nach
den Steuerbüchern.) Er wohnte auch nach seiner Vermählung bei seinem
Vater in der Annastrasse und zwar bis zu dessen Tod in einem Rück
gebäude („in der hinteren Behausung“).
*) Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Max. XII. 40 Nr. 70. „fast“
natürlich gleich „sehr“.
2 ) Diese und die weiter unten (S. 48) zu erwähnenden Notizen
über die Geschäftsübergabe entnehme ich einer Aufzeichnung des
früheren Augsbg. Stadtarchivars Herberger, dem Hans Paum-
gartners d. Ae. Testament vorlag. Es ist mir nicht gelungen, das letztere,
das sich im Augsburger Stadtarchiv befinden soll, aufzufinden.
3 ) Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Max. XII. 40 Nr. 70.