Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

bestimmter  Inhalt  bei  einigem  Nachdenken  hervortritt  und  daher ­
  an  sich  selbst  keinen  Anspruch  machen  kann,  als  eine  besonders ­
  auszuzeichnonde  wissenschaftliche  Idee  zu  gelten.  Im
Gegentheil  ist  jene  Meinung  das  Ergebniss  einer  oberflächlichen
Beiirthcilung,  und  wir  würden  an  dieselbe  gar  nicht  erinnert
haben,  wenn  man  nicht,  seit  Ricardo  und  in  der  jüngsten  Zeit,
auch  die  Physiokraten  für  die  Idee  des  geringsten  Unterhaltsmaasses
  angeführt  hätte.
Die  Ansicht  über  die  Nützlichkeit  des  geringen  Zinsfusses,
die  sich  bei  früheren  Schriftstellern  häufig  genug  vorfand,  wird
von  Turgot  sehr  entschieden  betont.  Jedoch  gilt  ihm  diese
Niedrigkeit  nur  als  ein  Zeichen  des  Ueberflusses  der  Gapitalien.
Die  letzteren  werden  von  ihm  als  Gegenstände  des  Angebots
und  der  Nachfrage  nach  der  entsprechenden  allgemeinen  Handelsregel
  beurtheilt.  Die  Waage  zwischen  Angebot  und  Nachfrage ­
  und  die  Herstellung  einer  Art  von  Gleichgewicht  oder,
wie  er  sich  ausdrückt,  die  Balancirung,  ist  eine  ihn  leitende
Grundvorstellung.  Mau  erkennt  hier  den  Einfluss  Gournays.
Der  Zins  soll  mit  dem  Ertrage  nichts  zu  schaffen  haben.  Das
viel  angeführte  Bild,  in  welchem  Turgot  die  Hebungen  und
Senkungen  des  Zinsfusses  mit  einer  fingirten  üeberfluthung
und  den  Veränderungen  des  Wasserstandes  vergleicht,  welche
nach  und  nach  alle  Theile  der  Landschaft  von  den  Höhen  bis
zu  den  tieferen  Lagen  hinunter  der  Cultur  zugänglich  machen,
—  diese  Vergleichung  bedeutet  nichts  weiter,  als  dass  bei  dem
geringeren  Zinsfuss  die  Productivität  als  gesteigert  vorauszusetzen ­
  sei.  Ferner  wird  der  Gedanke  eines  eigentlichen  Capitalumlaufs
  als  Erklärung  desjenigen  Hergangs  gebraucht,  der  gewöhnlich ­
  als  Umsatz  des  Geldes  angesehen  werde.  In  Wahrheit ­
  handle  es  sich  hei  der  ganzen  Circulation,  die  man  hier  im
Auge  haben  müsse,  um  nichts  als  um  Vorschüsse,  die  sich  ersetzen. ­
  Ausserdem  werden  die  Capitalien,  wie  schon  oben  angedcutet,
  als  aufgehäufte  Ersparungen  gedacht,  und  Turgot  hat
hier,  wie  Adam  Smith  und  alle  seine  sonstigen  Nachfolger,  in
dieser  Vorstellungsart  stets  die  Werthsummen  im  Auge,  über
welche  die  Privaten  verfügen.  Der  Gegensatz,  der  ausser  Acht
gelassen  wird,  aber  in  der  neusten  Zeit  sehr  wichtig  geworden
ist,  betrifft  den  höheren  Gesichtspunkt,  aus  welchem  die  volkswirthschaftliche
  Capitalbildung  nicht  in  der  nebensächlichen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.