Full text : Untersuchungen über das Versicherungswesen in Deutschland

Zusammenfassung.

361

Im  ganzen  würden  also  im  Laufe  von  zehn  Jahren  bei  Durchführung ­
  der  gegenwärtigen  gesetzlichen  Bestimmungen  und  geschäftlichen
Übung  Reichs-  und  Staatsanleihen  anzuschaffen  sein:
von  der  sozialen  Versicherung  des  Reichs  .  .  1200  Mill.  Mark  1
von  der  öffentlichen  Lebens-  und  Schadensversicherung ­
  115  „  „
von  der  geschäftlichen  Versicherung  .  .  .  .  300  „  „
zusammen  1615  Mill.  Mark.
Träte  ein  Zwang  zur  Viertelsdeckung  auch  für  die  private  Versicherung ­
  ein,  so  würden  diesen  1615  noch  weitere  1573  Mill.  Mark
hinzukommen,  so  daß  sich  der  Gesamtbetrag  auf  3188  Mill.  Mark
stellte.  Da  Ende  des  Jahres  1910  der  Bestand  der
Reichsanleihen  ....  5010  Mill.  Mk.
Staatsanleihen  .  .  .  .  14  880  „
zusammen  also  19  890  Mill.  Mk.
ausmachte,  so  müßten  die  Versicherungsanstalten  bei  den  jetzigen  Vorschriften ­
  statt  940  Mill.  1157  ==  6%,  bei  einer  allgemeinen  Durchführung
des  Zwanges  2286  Mill.  —  11  °/o  davon  besitzen.  Welche  Entwicklung
der  Bestand  der  Reichs-  und  Staatsanleihen  im  nächsten  Jahrzehnte
nehmen  wird,  wage  ich  nicht  zu  prophezeien.  Bei  einer  nicht  beträchtlichen ­
  Zunahme  würden  die  Versicherungsanstalten  beim  allgemeinen
Zwange  nach  einem  Jahrzehnte  den  nicht  geringen  Bruchteil  von  etwa
15  °/o  besitzen  müssen.
11.  Produktion  und  Konsum.  Neben  der  Rücksicht  auf  den
Kurs  der  Staatspapiere  ist  es  die  Klage  der  Unternehmer,  daß  durch
die  soziale  Versicherung  ihnen  notwendiges  Kapital  entzogen  würde,  gewesen, ­
  die  den  Anstoß  zu  den  hier  vorliegenden  Untersuchungen  gegeben
hat.  Die  einzelnen  Abhandlungen  bestätigen  wohl  zur  Genüge,  daß  die
Zurückweisung  dieser  Klage  in  der  Einleitung  berechtigt  war.  Ich  verzichte ­
  auf  den  Versuch,  aus  den  Zahlen  und  Meinungsäußerungen  der
Gutachter  eine  Schätzung  der  Verschiebungen  zwischen  Konsum  und  Produktion ­
  vorzunehmen.  Denn  so  lange  nicht  verschiedene  andere  Vorfragen ­
  beantwortet  sind,  würden  die  Zahlen  noch  viel  ungenauer  ausfallen ­
  müssen  als  die  im  vorigen  gegebenen.  Aber  das  läßt  sich  mit
aller  Bestimmtheit  aus  den  Arbeiten  herauslesen,  daß  der  größte  Teil
der  Prämien  eine  Sparung  im  Haushalt,  eine  Verminderung  des  Konsums ­
  darstellt,  während  der  größte  Teil  der  Kapitalanlagen  produktiven

1  Einschließlich  180  Millionen  für  die  Reichsunfallversicherung.
            
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