Full text : Untersuchungen über das Versicherungswesen in Deutschland

R.  Mueller  und  E.  Mittermüller,  Lebensversicherung.  5g
Der  darin  liegende  scheinbare  Widerspruch  findet  dadurch  seine  Erklärung,
daß  im  gleichen  Jahre  die  sonstigen  Aktivforderungen  der  Gesellschaften
eine  erhebliche  Zunahme  aufweisen,  und  zwar  sind  an  dieser  Zunahme
hauptsächlich  die  Bankguthaben  beteiligt.  Während  diese  sich  allmählich
von  62,3  Mill.  Mark  Ende  1902  auf  21,4  Mill.  Mark  Ende  1907
vermindert  hatten,  schnellten  sie  Ende  1908  wieder  auf  40,9  Mill.  Mark
empor,  entziehen  also  in  diesem  Jahre  annähernd  20  Mill.  Mark  mehr
der  Anlegung  in  festen  Kapitalien  als  im  Jahr  zuvor.  Zur  Unterhaltung ­
  größerer,  leicht  verfügbarer  Bankguthaben  im  Jahr  1908  dürften
die  Gesellschaften  durch  die  damalige  Spannung  auf  dem  Geldmarkt  veranlaßt ­
  worden  sein.
Über  die  Höhe  und  Art  der  Kapitalanlagen  der  deutschen  Lebensversicherungsunternehmungen ­
  geben  die  Zahlen  der  Tab.  23  (S.  54
bis  55)  Auskunft  \
Die  hier  nicht  berücksichtigten  Aktivforderungen  der  Gesellschaften
zerfallen  in  Guthaben  bei  Bankhäusern  und  anderen  Versicherungsunternehmungen, ­
  gestundete  Prämien,  rückständige  Zinsen  und  Mieten
und  Ausstände  bei  Agenten.  Den  vier  letztgenannten  Aktivforderungen
kommt  im  Rahmen  dieser  Darstellung  ein  Platz  deswegen  nicht  zu,  weil
es  sich  nicht  um  ersparte  Beträge  handelt.  Die  Guthaben,  die  aus  dem
Berkehr  mit  anderen  Versicherungsunternehmungen,  hauptsächlich  Rückversicherern. ­
  herrühren,  haben  für  den  allgemeinen  Kapitalmarkt  gleichfalls
keine  Bedeutung.  Die  Bankhäuser  dienen  den  Gesellschaften  als  Sammelstellen ­
  der  Prämien-  und  Zinseneinnahmen;  die  angesammelten  Beträge
bleiben  aber  nur  vorübergehend  bei  den  Banken  und  werden  in  der
Regel  sehr  schnell  ihrer  vorläufig  endgültigen  Bestimmung,  der  Anlage
ku  festen  Kapitalien,  zugeführt;  der  kleinere  Teil  dient  zur  Regelung  eingetretener ­
  Schadenfälle.  Auch  die  Bankguthaben  sind  daher  hier  aus  der
Betrachtung  ausgeschieden  worden.
Es  ist  bereits  erwähnt  worden,  daß  die  Bilanzen  der  deutschen
stebensversicherungsunternehmungen  stets  deren  gesamtes  Geschält  umfassen,
stch  also,  wenn  die  Unternehmungen  ihre  Tätigkeit  auch  auf  andere  Verstcherungszweige
  ausgedehnt  haben,  nicht  auf  das  Lebensversicherungsgeschäft ­
  beschränken.  Neben  letzterem  betrieben  im  Jahre  1909  zwei  die
Unfall-,  Haftpflicht-,  Feuer-,  Einbruchdiebstahl-  und  Transportversicherung,
"ne  die  Unfall-,  Haftpflicht-,  Feuer-  und  Einbruchdiebstahlversicherung,
1  Die  oberen  Zahlen  in  jeder  Spalte  geben  die  Kapitalanlagen  ohne  die  Anlagen ­
  der  Versicherungseinrichtungen  der  größeren  Berufsvereinignngen,  die  unteren
geben  sie  mit  den  letzteren  an.
            
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