Full text : Untersuchungen über das Versicherungswesen in Deutschland

S.  Wertheimer,  Feuerversicherung  und  andere  Sachschadenversicherungszweige.  95

doch  unverkennbar  sortschreitende  Abnahme  zu  beobachten,  die  bei  allen
Arten  ziemlich  gleich  stark  ist.  Offenbar  sind  alle  Gesellschasten  bestrebt,
insolge  der  schlechten  Erfahrungen  früherer  Jahre  die  Anlagen  möglichst
zu  vermeiden,  aus  denen  ihnen  Kursverluste  drohen.
Bei  allen  vorstehenden  Angaben  über  die  Kapitalanlagen  sind  die
reinen  Rückversicherungsgesellschaften  nicht  berücksichtigt,  da  deren  Kapitalanlagen
  nur  für  das  Gesamtgeschäft  bekannt  sind.  Dieses  Gesamtgeschäft
gerade  bei  der  Feuerversicherung  zu  behandeln,  dürfte  um  so  weniger  Veranlassung
  bestehen,  als  ja  wie  mehrfach  bemerkt,  die  auf  das  Feuerversicherungsgeschäft ­
  entfallenden  Kapitalanlagen  einen  verhältnismäßig
geringen  Teil  der  gesamten  Kapitalanlagen  ausmachen.
In  der  Einleitung  ist  die  interessante  Frage  angeregt,  in  welcher
Weise  die  Empfänger  der  von  den  Versicherern  angelegten  Gelder  diese
verwenden.  Leider  gelangen  wir  anch  hier,  wenigstens  was  die  Feuerversicherung ­
  anlangt,  fast  in  allen  Punkten  zu  einem  non  liguet.  Bei
den  Hypotheken  können  wir  allerdings  annehmen,  daß  der  größte  Teil
dazu  dient,  die  städtische  Bautätigkeit,  also  die  Produktion  zu  fördern,
aber  zahlenmäßige  Angaben  lassen  sich  hierüber  auf  Grund  des  bis  jetzt
vorhandenen  Materials  nicht  machen.  Was  die  Wertpapiere  anlangt,
so  läßt  sich  naturgemäß  die  Verwendung  von  Reichs-  und  Staatsanleihen
nicht  weiter  kontrollieren,  da  eben  die  durch  Anleihen  aufgebrachten  Gesamtmittel
  einen  Teil  der  Staatseinnahmen  überhaupt  bilden,  ohne  daß  die
Verwendung  bestimmter  Anleiheteile  oder  auch  ganzer  Anleihen  zu  bestimmten ­
  Staatszwecken  verfolgt  werden  könnte.  Bei  allen  übrigen  Arten
von  Wertpapiere»  ist  teils  eine  ganz  geringe  Mehrung  teils  sogar  eine
Verminderung  eingetreten,  so  daß  die  Frage  schon  aus  diesem  Grunde
gegenstandslos  ist.  Die  Mehrung  an  Grundbesitz  ist  wohl  fast  in  der
ganzen  Größe  durch  Reuanlagc  und  Erweiterung  der  für  den  eigenen
Betrieb  bestimmten  Geschäftsgebäude  hervorgerufen.  Wie  die  Banken  die
ihnen  von  Gesellschasten  überlassenen  Gelder  verwerteten,  die  sich  übrigens
im  Lause  von  sieben  Jahren  nur  um  ca.  8,7  Millionen  Mark  vermehrten,
wird  sich  wohl  kaum  feststellen  lassen,  zumal  die  Verwendung  wohl  zu
wechselnden  Zwecken  erfolgte.  Das  gleiche  gilt  von  den  Guthaben  bei
Versicherungsunternehmungen,  die  um  etwa  7  Millionen  gestiegen  sind.
Die  Wechsel  und  sonstigen  Anlagen  haben  sich  nicht  wesentlich  vermehrt,
s°  daß  auch  in  diesem  Punkte  die  Verwendung  erheblicher  Geldbeträge
vicht  in  Frage  kommt.
Wir  haben  bisher  die  Einnahmen  und  die  Betriebsleistungen  der
Gesellschaften  sowie  die  von  ihnen  angelegten  Kapitalien  dargestellt,  haben
            
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