Full text : Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

Die  Organisation  des  britiscnen  Weltreichs.

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anderem  Weizen  gegenüber  genießen  würde,  etwa  eine  Preiserhöhung ­
  von  7—8  o/o,  sollte  zur  Steigerung  des  kolonialen  Weizenanbaus
  führen  und  zur  Ausdehnung  des  englischen  Ackerbaus  beitragen. ­
  Die  Reichsproduktion  —  Mutterland  und  Kolonien  —  an
Weizen,  die  auf  43o/ 0  des  Bedarfs  geschätzt  wurde,  sollte  so  anwachsen,
  daß  man  in  absehbarer  Zeit  der  fremden  Zufuhr  nicht  mehr
bedürfen  werde.  Wenn  das  erreicht  sei,  werde  die  vorübergehend
eingetretene  kleine  Erhöhung  der  Weizenpreise  verschwinden.  Sie
sollte  für  den  Konsumenten  durch  entsprechende  Veränderungen  in
der  Besteuerung  von  Massengenußmitteln,  wie  Tee,  Tabak  usw.,
wieder  gut  gemacht  werden.
Das  Programm  enthielt  ursprünglich  nur  die  Forderung
nach  Vorzugszöllen  für  die  Kolonien.  Es  wurde  der  Ausgangspunkt ­
  einer  allgemeinen  Schutzzollbewegung  (Tarif-Reform),
die  England  10  Jahre  lang  erschüttert  hat.  Sie  spaltete  zunächst ­
  die  konservative  Partei  und  führte  dann  zu  deren  Niederlagen ­
  bei  den  Wahlen  von  1906  und  später  von  1910  und  1911.  Es
zeigte  sich  sofort,  daß  der  Gedanke,  Schutzzölle  auf  Nahrungsmittel
einzuführen,  um  den  Kolonien  Vorzugsbehandlung  gewähren  zu
können,  nicht  stark  genug  war,  die  Massen  in  Fluß  zu  bringen.  Man
mußte,  wenn  man  Erfolge  erzielen  wollte,  das  Programm  erweitern.
Man  erzählte  dem  Steuerzahler,  ein  Aufgeben  des  Freihandels,  bzw.
die  Einführung  neuer  Zölle  sei  nötig,  um  neue  Finanzquellen  zu  erschließen ­
  und  eine  Erleichterung  der  direkten  Besteuerung  zu  ermöglichen. ­
  Die  englische  Landwirtschaft  sollte  der  Schutzzollpolitik
dadurch  gewonnen  werden,  daß  man  ihr  eine  Preissteigerung  ihrer
Produkte  verhieß.  Vor  allem  aber  suchte  man  die  Unterstützung
der  Industrie  zu  gewinnen.  Man  hob  hervor,  daß  der  britische  Handel
nur  langsame  Fortschritte  mache;  die  Ausfuhr  von  Fabrikaten  überhaupt ­
  nehme  nur  nach  den  Kolonien,  nicht  nach  fremden  Ländern
zu;  auch  die  Einfuhr  in  die  Kolonien  gehe  prozentual  zurück.  Man
könne  zwar  nicht  hoffen,  daß  die  Tochtervölker  den  Zollschutz
gegen  britische  Industrien  aufgeben  würden,  eine  Politik  der  Begünstigung ­
  werde  sie  aber  zu  weiteren  Zugeständnissen  auf  Kosten
fremder  Konkurrenten  veranlassen  und  damit  den  Stillstand  der
englischen  Fabrikation  aufhalten.  Da  man  der  britischen  Industrie
keine  allzugroßen  Vorteile  auf  dem  kolonialen  Markt  versprechen ­
  konnte,  so  suchte  man  sie  dafür  in  der  Heimat  zu  ent-
            
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