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Dr. M. J. Bonn.
sehe Industrie ist; man setze aber an Stelle einer Politik der handels
politischen Uneigennützigkeit eine solche der wirtschaftspolitischen
Ausbeutung und gefährde so das moralische Prestige. Vorzugszölle
auf dem mutterländischen Markte könnten dagegen Indien nur be
dingt nützen. Überdies würde man sich auf Vergeltungszölle aller
anderen Mächte gefaßt machen müssen. Das ganze System der
Meistbegünstigung, das den Angelpunkt der englischen Handels
politik bilde, müsse ins Wanken geraten. Die Kolonien hätten kein
Recht, von England eine Zollpolitik zu verlangen, die ihm große
Opfer ohne entsprechende Entschädigung auferlege. Es gewähre
ihnen bereits heute größere Zugeständnisse, als sie ihm trotz aller
Vorzugsbehandlung geboten hätten, nämlich einen völlig offenen
Markt — der 50 o/o und mehr ihrer Ausfuhr aufnimmt —; es liefere
ihnen überdies billiges Kapital und arbeitstüchtige Menschen zu ihrer
Entwicklung.
Eine Zeitlang hat es den Anschein gehabt, als ob die Tarifreform
bewegung England in kurzer Zeit erobern würde, da sich ihre Führer
im Jahre 1903 ohne großen Widerstand der Organisation der unio-
nistisch-konservativen Partei bemächtigten und damit die Mehrheit
der konservativen Abgeordneten äußerlich gewonnen hatten. Die
lange Reihe von Mißerfolgen, die diese Partei bei den Wahlen erlebte,
zeigte jedoch deutlich genug, daß die industriellen Bezirke Englands
einer Schutzzollpolitik nicht geneigt waren. Sie waren nicht gewillt,
einer Besteuerung der Lebensmittel und besonders des Weizens
zuzustimmen. Ohne eine solche war die Frage der Vorzugszölle in
England ohne besonderes Interesse für die Tochtervölker. Der neue
Führer der konservativen Partei, Mr. A. Bonar Law, suchte das da
durch zum Ausdruck zu bringen, daß er versprach, vor Einführung
von Getreidezöllen die Meinung der Tochtervölker einzuholen.
Wenn die konservative Partei ans Ruder komme, so werde eine
Reichskonferenz einberufen werden, auf der die Tochtervölker über
die Einführung eines Weizenzolles entscheiden sollten. Gegenüber
einem derartigen Vorschlag, der die Kolonien gewissermaßen auf
forderte, sich in britische Angelegenheiten einzumischen und
das britische Volk in ihrem Interesse zu besteuern, entstand
eine lebhafte Bewegung in der konservativen Partei. Es stellte sich
bald heraus, daß die Zahl der Schutzzöllner, die einen Getreidezoll
wollten, recht gering war. Um eine Spaltung der Partei zu verhüten,