570. Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitele.
Denn der Mißerfolg des bayrischen Kurfürsten in den
Bergen hatte das Scheitern der gesamten Vorwärtsbewegung
auf der oberdeutschen Hochebene zur Folge. Der Markgraf
von Baden wurde jetzt mit der Reichsarmee im Rücken der
Franzosen lebendig; er nahm Augsburg und bedrohte München;
und mit ihm im Einverständnisse drang auf der linken Donau—
seite ein kaiserliches Heer unter Graf Styrum gegen Bayern
und Franzosen vor. So gerieten diese in bittere Not, und ein
Sieg bei Höchstädt an der Donau über das Heer Styrums,
am 20. September 1703, befreite sie zwar vom Schlimmsten:
der ganze Angriffsplan des Jahres blieb aber gleichwohl ge⸗
scheitert.
Dennoch darf man nicht meinen, daß das Haus Hsterreich
nun außer Gefahr war. Im Gegenteil: bei der starken Er—
schöpfung aller Mittel in Österreich konnte es nicht verhindert
werden, daß noch gegen Ende 1708 die Franzosen am Ober—
rhein und die Bayern an der Donau im einzelnen wieder die
stärksten Fortschritte machten: Regensburg und Passau dort,
Breifach und Landau hier fielen in Feindeshand. Zudem
näherten sich die Folgeerscheinungen des Magyarenaufstandes
unter Franz Rakoczy II. in bedenklicher Weise den Toren Wiens.
Da ist es denn bezeichnend, daß eben diese Lage die
Energie des alternden Kaisers aufs höchste hob. Er ver⸗
zweifelte nicht; eben in den bösen Tagen des Umschwunges
hat er seinen Sohn Karl nach Portugal abgesandt, damit er
mit Unterstützung der Portugiesen, Engländer und Niederländer
sein spanisches Königreich erobere.
Und der Verlauf des nächsten Feldzuges gab ihm recht.
Zunächst vermochten die bei Villingen vereinigten Bayern
und Franzosen schließlich nicht, gegen Osterreich vorzubrechen.
Anfangs waren sie dazu zu schwach; dann wuͤrden sie durch
die Erwartung von Verstärkungen, die es allerdings ihnen
vom Rheine aus zuzuführen gelang, einige Zeit aufgehalten;
schließlich aber konnten sie den Vormarsch nicht unternehmen,
weil ihnen selbst jetzt ein schwerer Angriff von Westen her
drohte.