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Dr. M. J. Bonn.,
besteht. Das täuscht das Auge der Menge und macht sie glauben,
sie zerfielen in verschiedene Rassen, oder vielmehr Länder, während
sie doch alle zusammen einen Körper bilden, dessen Haupt unter
Gott Seine Hoheit ist.»
Diese Politik ist selbst in den Tagen gescheitert, wo das moderne
Nationalgefühl noch nicht ausgebildet war, und der religiöse Gegensatz,
der seine Stelle einniahm, dem angegriffenen Volke bei aller
Stärke kaum das lebendige Gefühl der Zusammengehörigkeit zu
geben vermochte. Denn der Kolonist, der ausgesandt war, den Eingeborenen
zu zivilisieren, paßte sich in verhältnismäßig kurzer Zeit
der Umwelt an, die die Eingeborenen geschaffen hatte. Er verlor,
wenn nicht fortwährend Nachschub eintrat, den eigenen Nationalcharakter,
ohne dem Eingeborenen den seinen nehmen zu können.
Selbst der großartige Siedlungsversuch, den Oliver Cromwell nach
dem Jahre 1650 in Irland unternahm, ist in dieser Hinsicht gescheitert.
Schon 1697 hieß es, «daß viele Kinder von Olivers Soldaten
nicht imstande sind, ein Wort Englisch zu reden». «Dies Unglück»,
meint der zeitgenössische Berichterstatter, «kommt durch irische
Frauen, da Mangel an Engländerinnen herrscht, die nicht in solcher
Anzahl herüberkamen, als nötig gewesen wäre.» Auch wo der Kolonist
sich nicht mit den Eingeborenen vermischte, hatte er gar kein
Interesse daran, dauernd als Vollstrecker einer großen Idee der
Nationalisierung zu wirken. Er sah in dem Eingeborenen nicht sowohl
den zurückgebliebenen Bruder, dessen Erziehung ihm Gewissenspflicht
-war, als den allezeit willigen Hörigen, den man wirtschaftlich
bequem ausnutzen konnte, so lange man seine nationalen
Vorurteile schonte. Die von Cromwell in Irland angesetzten Grundbesitzer
boten ihren ganzen Einfluß auf, um irische Pächter und irische
Arbeiter auf ihren Gütern behalten zu dürfen, ohne daß sie daran
dachten, sie zu entnationalisieren.
So wird das Herrschaftsverhältnis, dessen Zweck ursprünglich
Verbreitung der mutterländischen Kultur und Anpassung der Eingeborenen
gewesen war, zur Klassenherrschaft, die sich nicht die
Entwicklung, sondern die Ausnutzung der Eingeborenen zum Ziele
setzt.
Auch in denjenigen Gebieten Europas, wo man die Entnationalisierung
der beherrschten Völker nicht durch Kolonisten, sondern
mittels eines Beamtentums versucht hat, ist der Erfolg im großen