Full text: Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

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Dr. M. J. Bonn. 
steht die Politik der bewußten Anknüpfung an die vorhandenen 
Einrichtungen der Eingeborenen. Sie hat erkannt, daß die europäi 
sche Herrschaft am leichtesten ausgeübt werden kann, wenn man 
die Religion und die sozialen Gewohnheiten der Eingeborenen 
bevölkerungen nicht angreift. Sie hat daher bewußt die sozialen Zu 
stände zu erhalten gesucht, in denen sie sich bei der Eroberung be 
fanden und alle etwa störenden Einflüsse, wie z. B. die Einwande 
rung von Europäern, fernzuhalten gesucht. Man hat das Recht der 
Eingeborenen kodifiziert und ihre Sitten anerkannt. Man hat durch 
ihre Großen regiert und ihre Religion unterstützt. — Als die Ost 
indische Kompagnie die Verwaltung Bengalens übernahm, bestimmte 
sie (1773), daß alle Eingeborenen, Mohammedaner sowohl wie 
Hindus, soweit die bürgerliche Gerichtsbarkeit in Frage kam, sich 
ihres eigenen Eingeborenenrechts bedienen sollten. Sie hat die Ein 
wanderung von Europäern lange Zeit fernzuhalten gesucht, nicht 
nur, um ihr Handelsmonopol zu schützen, sondern wegen «der Ver 
achtung, mit der diese infolge von angeborener Anmaßung und Un 
wissenheit die Sitten und Einrichtungen der Eingeborenen betrach 
teten...». Am deutlichsten tritt diese Politik vielleicht in den Worten 
zutage, die Napoleon III. in dem berühmten Briefe vom 6. Februar 
1863 gebrauchte: «Ich habe Euren Häuptern (der Araber) Ehre er 
zeigt, ich habe Eurer Religion Achtung erwiesen, ich will Euch mehr 
und mehr an der Verwaltung Eures Landes teilnehmen lassen.» 
«Der Eingeborene hat das gleiche Recht auf meinen Schutz wie der 
Kolonist. Ich bin ebensogut der Kaiser der Araber, wie ich der 
Kaiser der Franzosen bin.» 
Es sollen also die Eingeborenengesellschaften in ihren Grundzügen 
unverändert erhalten werden. Die Mängel der Eingeborenen 
verwaltung werden natürlich aufgedeckt und allmählich beseitigt; 
an Stelle des bestechlichen Kadis tritt der europäische Richter, der 
aber nach dem eingeborenen Rechte, das den Eingeborenen erhalten 
werden soll, urteilt. Es kann zwar dabei nicht jede Eingeborenen 
sitte erhalten werden, aber selbst eine starke, unter dem Druck der 
öffentlichen Meinung stehende Verwaltung, wie die indische, kann 
den furchtbaren Gewohnheiten der Witwenverbrennung, des 
Mädchenmordes und anderer, mit religiösen Vorstellungen eng ver 
bundener Unsitten nur langsam Einhalt tun. Man muß ein Auge 
zudrücken, nicht nur, weil man den Eingeborenen eine Zivilisation
	        
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