Full text : Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

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Dr.  Rudolf  Leonhard.

schützt,  mit  seinen  ausgedehnten  Küsten  und  Häfen  der  Invasion  des
Auslandsimports  offen  da,  so  daß  namentlich  die  Hafenplätze  verkehrstechnisch ­
  leichter  und  billiger  von  Argentinien  und  der  Union
aus  als  vom  Inland  her  zu  erreichen  sind.  Ebenso  begünstigen  die
englischen  Eisenbahnen  mit  ihren  Tarifen  mehr  den  Import  von
der  Küste  ins  Innere  als  vom  Innern  zur  Küste.  Das  mag  vielen  unpatriotisch ­
  erscheinen,  liegt  aber  in  der  ganzen  Art  des  englischen
Eisenbahnwesens.  Im  Gegensatz  zu  Deutschland,  wo  die  Bahnen  fast
sämtlich  verstaatlicht  und  zu  öffentlich-rechtlichen  Unternehmungen
geworden  sind,  die  trotz  alles  Fiskalismus  doch  im  allgemeinen  für
den  öffentlichen  Nutzen  arbeiten,  sind  die  englischen  Bahnen  sämtlich
private  Aktiengesellschaften,  die  den  Aktionären  einen  möglichst
hohen  Gewinn  ausweisen  müssen.  Nun  münden  in  die  Häfen,  die
Einfallspforten  des  überseeischen  Imports,  meist  mehrere  Linien
gleichzeitig,  die  miteinander  scharf  konkurrieren  und  durch
gegenseitigesUnterbieten  möglichst  viele  Schiffsfrachten  zu  erhalten
suchen.  Sie  gewähren  also  dem  Import  ermäßigte  Tarife  und
halten  sich  hierfür  schadlos  an  der  einheimischen  Landwirtschaft,
die  ihre  Produkte  an  den  Zwischenstationen  einladen  muß,  wo  dann  die
Fracht  durch  keine  Konkurrenzlinien  in  der  Nähe  herabgesetzt  wird.
Gesetzliches  Eingreifen  gegen  diesen  Übelstand  ist  ganz  erfolglos
gewesen  und  zudem  schwer  durchzuführen,  ohne  die  englischen
Bahnen  zu  schädigen,  denn  diese  müssen  sich  ja  ihrerseits  gegen
die  Konkurrenz  der  Schiffahrt  wehren.  Wenn  z.  B.  die  Linie  Southampton-London ­
  zu  viel  Fracht  verlangte,  so  würden  die  einlaufenden ­
  Schiffe  ihre  Waren  nicht  mehr  in  Southampton  löschen,  sondern
einfach  nach  London  weiterfahren.  Außerdem  aber  kann  man  den
Bahnen  nicht  gut  zumuten,  der  Landwirtschaft  für  ihre  kleinen  zersplitterten ­
  Frachtmengen  dieselbe  Degression  zu  gewähren  wie  dem
Import  in  ganzen  Schiffsladungen.  Das  einzige  Mittel  für  die
englische  Landwirtschaft  gegenüber  den  Bahnen  kann  also  nur
dahin  lauten:  Zusammenfassung  des  Angebots  in  großen  Mengen
und  Organisation  der  Landwirtschaft  ganzer  Gegenden  in  genossenschaftlichen ­
  Verbänden,  die  mit  den  Bahnen  wie  eine  Macht  mit
der  anderen  verhandeln  und  sich  so  bessere  Bedingungen  sichern
können.
Damit  kommen  wir  zu  einem  wichtigen  letzten  Punkt,  in  welchem
die  englische  Landwirtschaft  vorläufig  noch  gegenüber  der  kontinentalen ­
  zurücksteht.  Wir  wissen,  welche  Rolle  das  Genossenschafts ­
            
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