Full text : Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

Die  englische  Industrie.

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er  einmal  wirklich  industrielle  Aktien,  so  sollen  sie  für  ihn
genau  so  wie  bei  den  wohlhabenden  Klassen  so  bekannt  sein,  daß
er  sich  wenigstens  einbildet,  ihre  Verhältnisse  genau  beurteilen  zu
können.  Das  englische  Publikum  kauft  Industriepapiere  als  Lokalwerte. ­
  Die  Aktien  der  daneben  liegenden  Spinnerei,  deren  vorzügliche ­
  Einrichtung  ein  Freund  geschildert  hat,  des  benachbarten
Hüttenwerkes,  das  gerade  jetzt  so  viele  Arbeiter  braucht,  der
Brauerei,  deren  Wirtshäuser  jeden  Abend  überfüllt  sind  und
die  trotzdem  binnen  kurzem  Bankerott  macht,  das  sind  Anlagen  in
englischen  Industriepapieren,  die  Mr.  Brown  und  Mr.  Smith  bevorzugen. ­
  Einer  großen  trustähnlichen  Fusion,  deren  interne  Verhältnisse ­
  den  Mitgliedern  seines  Klubs  nicht  so  vertraut  sind,  einer
expansionslustigen  Gesellschaft,  die  die  hergebrachte  Form  sprengt,
die  gewohnten  Dimensionen  rasch  hinter  sich  läßt,  entzieht  er  häufig
schnell  sein  Kapital  und  folgt  damit  denselben  Ideen  wie  die  englischen ­
  Kapitalisten.  Was  die  Tagesspekulation  an  Industriewerten
nimmt,  kann  dafür  keinen  Ersatz  bieten;  so  groß  der  Londoner  Markt
für  Renten  und  Obligationen,  für  ausländische  Aktien  und  Minen
ist,  die  Zahl  der  gehandelten  Industriepapiere  erscheint  verschwindend ­
  klein,  ihr  Umsatz  und  ihr  Einfluß  auf  den  gesamten  Börsenverkehr ­
  im  Vergleich  zu  Deutschland  minimal.  Ein  Blick  in  den  Kurszettel ­
  und  den  Citybericht  bestätigen  diese  Beobachtung.
Es  ist  bekannt,  daß  die  englischen  Aktienbanken  keine  Wertpapiere
emittieren,  keine  spekulativen  Engagements  halten.  Aber  auch  die
Privatbankiers,  die  großen  Finanziers  und  Maklerfirmen  nehmen
nur  geringes  Interesse  an  den  heimischen  Werten.  Die  Namen
Rothschild,  Baring,  Lubbock,  Frühling  &  Goschen,  Sir  Ernest  Cassel
wird  man  vergeblich  bei  der  Finanzierung  der  englischen  Industrie
suchen.
Aktienkapital  und  Obligationen  werden  von  den  Insiders  und  ihren
Freunden  und  Nachbarn  aufgebracht.  Daher  kommt  es  vor,  daß  eine
große,  monopolistisch  gedachte  Fusion,  wie  die  Zementassoziation,
von  vornherein  ihr  Ziel  verfehlt,  weil  die  Emission  erfolglos  verläuft
und  den  Vorbesitzern  mehr  Aktien  auf  dem  Hals  bleibien,  als  ihren
Wünschen  und  dem  Grade  ihres  Vertrauens  entspricht.
Erst  in  den  letzten  Jahren  hat  sich  ein  gewisser  Umschwung  in
diesen  Dingen  angebahnt.  Ausgehend  von  der  Nachahmung
deutscher  und  amerikanischer  Gründungen,  hat  man  das  Publikum
            
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