Object: Wert und Kapitalprofit

Finanzkapitals entwickelte, kann in dem Schlagwort zusammengefaßt 
werden: Rentabilität durch Industrialisierung, Ra- 
tionalisierung und Standardisierung, wobei der 
Staatshilfe nur eine vorübergehende Rolle zugedacht ist. 
Aus diesen Tatsachen ergaben sich wiederholt Reibungen 
zwischen den großagrarischen und industriellen Schichten der Bour- 
geoisie, die mitunter auch zu Veränderungen in der Zusammen- 
setzung der Parteien und Regierungen in Reich und Länder führ- 
ten. *) Die Erhöhung der Agrarzölle konnte nur allmählich, schritt- 
weise und in einem begrenzten Rahmen durchgeführt werden. 
In den agrarischen Organisationen selbst kam es infolge dieser 
Schwierigkeiten des Stabilisierungsprozesses wiederholt zu Kon- 
flikten und Krisen. Der völkische Flügel im Landbund, der sich auf 
die rückständigsten und kapitalschwachen Elemente der ostelbischen 
Junkerschaft stützt, rebellierte mitunter gegen die mit Finanz- und 
Industriekapital schon ziemlich verwachsene Führerschicht, (Grün- 
dung völkischer Bauernschaften in Mecklenburg und Pommern 1924, 
Magdeburger Tagung des völkischen Flügels des Landbundes, 
Sommer 1926; Rücktritt des Freiherrn v. Richthofen aus dem Reichs- 
tag, Führerkrise im Reichslandbund, Juli 1928.) Der völkische Flügel 
verlangte die sogenannte „Anwendung gewerkschaftlicher Mittel” zur 
Durchsetzung der Junkerforderungen, z. B. Demonstrationen, Liefer- 
und Käuferstreiks, Steuerverweigerung, ev. Marsch nach Berlin und 
erstrebte eine faschistische Junkerdiktatur auch über das „jüdische“ 
Finanzkapital. Selbst die Bürgerblockregierung der Marx-Keudell- 
Schiele war ihm ‚„marxistisch-international‘ verseucht, 
Auf der anderen Seite stehen die fortgeschritteneren Elemente 
der vorwiegend mittel- und westdeutschen Agrarbourgeoisie, die mit 
der Industrie und Bankbourgeoisie schon stark verwachsen sind. 
Diese sind die Träger der Bündnispolitik, haben dem Dawesplan zu- 
gestimmt, sich mit dem Locarnopakt abgefunden und sind stets auch 
zu Kompromissen in der Handelspolitik bereit. Sie haben von An- 
fang an den Eintritt deutschnationaler Minister in die Regierung be- 
fürwortet. Es ist kein Zufall, daß der Wortführer dieser Richtung, 
der Reichstagsabgeordnete He p p, jahrelang in der Deutschen Volks- 
partei organisiert war. Als es galt, die mit der Landbundführung 
unzufriedenen Bauernmassen bei der Stange zu halten, gründete er 
zum größten Aerger der unentwegten Deutschnationalen eine 
„Christlichnationalern Bauernpartei‘ (März 1928}. **] 
*) (Vergl. Austritt der Deutschnationalen aus der Luther-Regierung im 
Dit 1925, Zerfall der Marx-Stresemann-Keudell-Schiele-Regdierung An- 
ang 1928,} 
**) Das Bild, das Leonid in Heft 17 der „Internationale‘ (1, September 
1928) vom „Kampf zwischen Industrie- und Agrarkapital” in seinem Ar- 
tikel „Die fünf Hauptarmeen der deutschen Bourgeoisie‘‘ entwirft, scheint 
mir reichlich schief und verkennt das Wesen des Prozesses, Es handelt sich 
heute — in dem Sinne wie Leonid hier das Wort gebraucht — weder um 
eine „labile‘ noch um eine „akute Krise‘ innerhalb der deutschen Bour- 
geoisie, deren Haus — trotz Leonids „unzweifelhaft“ — Jeider nicht im ge- 
ringsten in Flammen steht". Soweit heute Auseinandersetzungen zwischen
	        
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