Full text : Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

Das  englische  Kreditwesen.

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zahlreichen  Unterbureaus  in  allen  Teilen  der  Hauptstadt  und  mit
Filialen  in  allen  größeren  Städten,  von  denen  jeweils  ein  Netz  von
kleineren  Filialen,  Depositenkassen,  Agenturen  abhängig  ist.  Die
Depositenbanken  umfassen  heute  10  ganz  große  Institute,  jedes  mit
mehr  als  200  Filialen  oder  mehr  als  20  Mill.  £  Depositen,  10  mittlere
mit  je  über  100  Filialen  oder  über  10  Mill.  £  Depositen.  Die  größte
dieser  Banken  verfügt  über  ein  Netz  von  mehr  als  600  Filialen  und
über  fremde  Gelder  in  der  Höhe  von  mehr  als  80  Mill.  £.  Neben
den  genannten  20  Instituten  existieren  noch  19  kleinere,  deren
Schicksal  es  aber  wohl  sein  wird,  von  den  ersteren  aufgesogen  zu
werden.  Die  Passivgeschäfte  der  Depositenbanken,  die  sämtlich  mit
einem  relativ  geringen  eingezahlten  Eigenkapital  arbeiten,  bestehen
ausschließlich  in  der  Hereinnahme  kurzfristiger  fremder  Gelder,  in
der  Form  von  Kassenführungsguthaben  oder  Spareinlagen,  für  die
sie  im  letzteren  Falle  eine  geringe,  im  ersteren  Falle  zum  Teil  gar
keine  Zinsvergütung  zahlen.  Die  Kreditgewährung  der  Depositenbanken ­
  kommt  lediglich  dem  inländischen  Handel  und  zum
kleineren  Teil  der  Industrie  zugute.  Sie  sind  genötigt,  die  kurzfristig ­
  hereingenommenen  Gelder  auch  kurzfristig  anzulegen;  sie
müssen  sich  daher  auf  die  folgenden  Geschäftszweige  beschränken:
a)  Wechseldiskont,  wobei  ihnen  jedoch  infolge  der  Konkurrenz  der
billiger  arbeitenden  Wechselmakler  nur  das  zweitklassige  Material
zuströmt.  Außerdem  bilden  die  Wechsel  in  England  keine  absolut
liquide  Anlage,  da  es  den  Kredit  der  Depositenbank  schädigen
würde,  wenn  sie  als  Verkäuferin  auf  dem  Wechselmarkte  aufträte.
Als  Käufer  solcher  Wechsel  kommen  ja  auch  lediglich  die  mit  den
Geldern  der  anderen  Banken  arbeitenden  Wechselmakler  in  Frage.
Ein  Verkauf  der  Wechsel  seitens  der  Depositenbanken  an  die  Bank
von  England  ist  nicht  üblich,  b)  Lombarddarlehen,  wobei  als  Sicherheit ­
  vor  allem  Wertpapiere  in  Frage  kommen.  Offene  Kontokorrentkredite ­
  gegen  Bürgschaft  oder  ähnliche  Unterlagen,  resp.  reiner
Personalkredit  wird  nur  in  der  Provinz  und  besonders  auch  in  Schottland ­
  gewährt.  In  London  ist  er  nicht  üblich.
Das  Vorhandensein  eines  ausgedehnten  Filialnetzes  und  die  überall
im  Lande  herrschende  Gewohnheit,  die  Barbestände  bei  einer  Bank
zu  deponieren  und  auch  kleinere  Zahlungen  per  Scheck  zu  machen,
haben  zu  einer  fast  vollständigen  Konzentration  aller  verfügbaren,
kurzfristigen  Gelder  in  den  Händen  der  großen  Depositenbanken
            
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