Full text : Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

Die  Arbeiterfrage  in  England.

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Wirtschaftsordnung  erkämpfen,  sondern  man  sieht  alle  die  erwähnten ­
  Forderungen  lediglich  als  ein  Mittel  an,  um  das  Unternehmertum ­
  so  schnell  als  möglich  zu  einem  Aufgeben  seiner  beherrschenden ­
  Position  im  Wirtschaftsleben  zu  zwingen  und,  sozialistischen ­
  Gedankengängen  folgend,  der  Arbeiterschaft  die  Übernahme
der  Produktionsmittel  in  eigener  Regie  zu  ermöglichen.  Die  radikalsten ­
  Kreise  haben  sogar  begonnen,  die  Lehren  des  französischen
Syndikalismus,  von  denen  man  bis  zum  Jahre  1910/1911  in  England
kaum  den  Namen  kannte,  in  sich  aufzunehmen.  Seit  zwei  Jahren
erscheint  der  Name  Syndikalismus  wie  ein  unheimliches  Zauberwort ­
  in  allen  Diskussionen  über  die  Arbeiterfrage.  Man  geht  sogar
so  weit,  in  England,  dem  klassischen  Lande  des  Parlamentarismus,
auf  die  parlamentarische  Wirksamkeit  verzichten  zu  wollen  zugunsten
der  «action  directe»,  d.  h.  des  stärksten  Druckes  der  Arbeiterschaft
mit  allen  erlaubten  und  unerlaubten  Mitteln  auf  den  einzelnen  Unternehmer ­
  oder  auf  das  Unternehmertum  in  seiner  Gesamtheit.  Es
sind  dies  allerdings  nur  die  Meinungen  der  Extremen,  denen  es  aber
anscheinend  gelingt,  auch  einen  großen  Teil  der  gemäßigten
Arbeiterschaft  auf  ihre  Seite  zu  ziehen,  welche  letztere  jedenfalls
auch  entschlossen  ist,  mit  allen  Mitteln,  politischen  und  wirtschaftlichen, ­
  eine  weitgehende  Minderung  des  Unternehmergewinnes  und
des  kapitalistischen  Rentenbezuges  zugunsten  der  Arbeiterschaft
anzubahnen.  Die  alten  und  die  neuen  Gewerkvereine  haben  sich  freigemacht ­
  von  jeglichem  Individualismus;  sie  fordern:  Wachsenden
Anteil  der  Arbeiter  am  Produktionsertrage  mit  dem  Ziel  der
Übernahme  der  Produktion  zugunsten  der  Allgemeinheit.
Den  Weg  dazu  sehen  sie  in  der  Verstaatlichung  zunächst  der  Transportmittel ­
  (Eisenbahnen),  der  Kohlengruben,  des  Grund  und  Bodens
und  in  der  schon  erwähnten  Einführung  des  «Living  Wage».  Es
handelt  sich  also  in  der  heutigen  Krisis,  wie  schon  gesagt,  nicht  mehr
um  bessere  Stellung  auf  dem  Boden  der  bestehenden,  sondern  um
Herbeiführung  einer  neuen  Wirtschaftsordnung.
Diesen  Forderungen  gegenüber  ist  die  öffentliche  Meinung  gespalten. ­
  Der  rechte  Flügel  des  Bürgertums  wird  immer  stärker  in
eine  arbeiterfeindliche  Position  hineingedrängt  und  sieht  die  Maßnahmen ­
  der  liberalen  Regierung  als  sozialistisch  und  gefährlich  an.
Der  andere  Teil,  vor  allem  der  linke  Flügel  der  liberalen  Partei,
hat  seine  Stellungnahme  vor  einiger  Zeit  vielleicht  am  deutlichsten
            
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