Object : Versuche zur Einbürgerung der Seidenindustrie und des Seidenbaues in Mecklenburg

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ugerichtet und genutzet werten bönne.“ Der Verfasser, der sich
auf dem Titelblatt als der „Kunstliebende“ bezeichnet und die Vorrede
an den Leser mit den Initialen J. J. W. unterschreibt, gab vor,
daß er viele Jahre in Manufacturen thätig gewesen und „seine eigene
langjährige Erfahrung“ mittheile; doch lassen die Bemerkungen am
Schlusse des Büchleins darauf schließen, daß es sich nur um eine
neue Uebersetzung des Isnard'schen Werkes handelte.
Wenn es trotzdem noch einige Zeit dauerte, bis man sich dazu
entschloß, die Theorie in Wirklichkeit umzusetzen und den Rath zur
Anpflanzung von Maulbeerbäumen zu befolgen, so war das bei der
Neuheit der Projecte wohl natürlich. Zunächst strebte man an, die
Industrie festen Fuß fassen zu lassen und verschaffte ihr den Rohstoff
von auswärts. In Langensalza hatten sich am Ende der 6Oer Jahre
des 17. Jahrhunderts ein paar von dort gebürtige Weber, die in der
Schweiz das Gewerbe erlernt hatten, niedergelassen und eine Weberei
leichter, aus Seide und Baumwolle gemischter Stoffe in Gang ge—
hracht, die nachher, als sich kapitalkräftige Unternehmer an dem Geschäft
betheiligten, einen bedeutenden Umfang gewann. Im Kurfürstenthum
Sachsen, wo der Fabrikant und Commerzienrath Johann Daniel Krafft
und die Gebrüder Span thätig waren, kam 1676 eine Seiden⸗ und
Wollenmanufactur in Neuostra ganz gut in Gang. Die Regierung
selbst unterstützte den eifrigen Unternehmer mit Geldern, die sie aus
einer neu eingeführten Tabaksteuer vereinnahmte.)
Der große Kurfürst Friedrich Wilhelm bediente sich ebenfalls
der Hülfe des Commerzienraths Krafft, um in Berlin eine ähnliche
Manufactur zu eröffnen, doch fübrten die Verhandlungen zunächst
nicht zum Ziele. Indeß der weitblickende Herrscher verzagte nicht.
Am 6. Mai 1676 wurde durch Reichsbeschluß die Einfuhr und der
Verbrauch aller französischen Luxuswaaren, namentlich von Seiden⸗
zeugen, verboten und am 18. Juli desselben Jahres das betreffende
Edict für Brandenburg wiederholt. Strebte man mit ihm darnach,
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bar zu befreien, so ließ sich nichts dagegen einwenden, da der Luxus
nun einmal nicht ganz zu unterdrücken war, die Anfertigung der
kostbaren Stoffe, bei der sich viel Geld verdienen ließ, im Lande
selbst in Angriff zu nehmen. So gewann denn der Kurfürst einen
Nürnberger, Friedrich Pilgram, der in der sächsischen Manufactur
Erfahrungen gesammelt haben wollte, zur Anlage einer Fabrik in
Berlin. Aber der Mann erwies sich bei näherem Zusehen als ein

Hintze, S. 29.

Jahrbuch des Ver. f. mekl. Gesch. LVIII.
            
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