Full text : Das Gemüse in der Kriegswirtschaft

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Noch  schlimmer  stand  cs  mit  der  E  r  t  r  ag  s  st  a  t  i  st  i  k.  Hier
war  nur  für  Weißkohl  in  den  Jahren  1878  dis  1887  eine  Ernteschätzung
  vorgenommen  worden.
An  jeglicher  Grundlage  aber  fehlte  es  für  eine  B  e  -
urteilung  des  Verbrauchs.  Die  Statistik  der  GüterbeweguiMA
  auf  deutschen  Eisenbahnen  und  die  Statistik  der
Binnenschiffahrt  aus  den  Jahren  1910  bis  1914  können  nicht  herangezogen ­
  werden,  weil  in  ihnen  Gemüse  und  Obst  unter  einem  Posten
zusammengefaßt  sind.  Auch  darüber,  wie  hoch  der  Durchschnittsverbrauch ­
  der  einzelnen  Person  an  Gemüse  gewesen  ist,  fehlt  jede
Unterlage.  Schätzungen  nehmen  an,  daß  dieser  Durchschnitts-Verbrauch,
  und  zwar  zusammen  an  Frischgemüse  und  Gemüse-Erzeugnissen,
  also  Sauerkraut,  Dörrgemüse,  Salzgemüse,  Gemüsekonserven ­
  etwa  70  kg  je  Person  im  Jahre  gewesen  sei.  Dies
erscheint  noch  reichlich  hoch.  Es  find  Betrachtungen  darüber
angestellt  worden,  ob  in  den  einzelnen  Zeilen  des  Reiches  größere
Abweichungen  vom  Durchschnitt  nach  oben  oder  unten  stattgefunden
haben,  die  ein  Ausfluß  verschiedener  Gewöhnung  an  die  Gemüsekost
  sein  würden,  allein  die  Angaben  hierüber  sind  so  ungenau
unld  weichen  so  erheblich  voneinander  ab,  daß  es  bedenklich  erscheinen ­
  mußte,  sie  in  irgendeiner  Weise  bei  der  Entscheidung  über
Bewirtschaftungsgrundsätze  heranzuziehen.  Tatsächlich  besteht  diese
ganz  verschiedene  Gewöhnung.  Man  denke  nur  an  das  Sauerkraut, ­
  das  z.  B.  in  Bayern  und  Oberschlesien  im  Haushalt  der
Bevölkerung  eine  derartige  Rolle  spielt,  daß  sein  Fehlen  schon
wiederholt  während  des  Krieges  zu  ernsten  Beunruhigungen  Anlaß
gegeben  hat.
AIs  gegen  Ende  des  Jahres  1915  die  ersten  staatlichen  Eingriffe ­
  auf  dem  Gebiete  des  Gemüseverkehrs  einsetzen  mußten,
tappte  man  daher  hinsichtlich  der  zahlenmäßigen  Unterlagen  über
Anbau,  Ertrag  und  Verbrauch  völlig  im  Dunkel.  Nur  eins  war
sicher:  der  Bedarf  war  ungemein  gestiegen.
Vom  Tage  ihrer  Gründung  ab  ist  dann  die  Reichsstelle  für
Gemüse  und  Obst  bestrebt  gewesen,  die  empfindliche  Lücke  der
Statistik  auszufüllen.  Gleich  mit  ihrem  ersten  Rundschreiben
vom  13.  Juni  1916  an  die  Landräte  und  die  gleichgeordneten  Behörden ­
  der  Bundesstaaten  hat  sie  versucht,  für  die  Hauptarten
von  Gemüse,  nämlich  Weißkohl,  Rotkohl,  Wirsingkohl,  Grünkohl
Rosenkohl,  Kohlrüben,  Mohrrüben,  Zwiebeln,  Kohlrabi  und
Stoppelrüben  die  Größe  der  angebauten  Flächen  sowie  eine  etwa
eingetretene  Steigerung  oder  Minderung  des  Anbaues  gegenüber
dem  Vorjahre  zu  ermitteln.  Die  darauf  eingegangenen  Unter ­
            
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