Full text : Berliner Banken

Der  Bankdirektor.

27

Namentlich  das  teilweise  horrende  Einkommen  der  Herren
restaurierte  sehr  schnell  wieder  ihre  öffentliche  Geltung.
Mit  dem  durchschnittlichen  Einkommen  der  Bankdirektoren ­
  dürsten  die  Mehrzahl  der  gutsituierten  Bankiers
der  alten  Zeit  ganz  gern  getauscht  haben.  Das  feste  Gehalt, ­
  das  sie  beziehen,  bewegt  sich  in  der  Regel  allerdings
nur  zwischen  12000  und  24000  Mark.  Aber  die  Tantiemen ­
  von  der  eigenen  Bank  und  von  den  Akttengesellschaften,
  deren  Aufsichtsrat  sie  angehören,  erhöhen  diese
festen  Bezüge  um  ein  ganz  Wesentliches.  Den  jährlichen
Verdienst  des  verstorbenen  Adolph  von  Hansemann,  des
ehemaligen  Geschäftsinhabers  der  Diskontogesellschaft,
schätzte  man  allein  aus  dem  Bankbetriebe  auf  760000  Mark
bis  1  Million.  Und  es  gibt  auch  unter  den  jüngeren
Bankdirektoren  eine  ganze  Reihe,  deren  Einkommen  man
auf  300000  bis  500000  Mark  im  Zähre  schätzt.
Wenn  der  Bankdirektor  auch  formell  nur  ein  Angestellter ­
  ist,  so  darf  man  seine  Machtvollkommenheit  doch
nicht  unterschätzen.  Dem  Namen  nach  hängt  er  ja  von
der  Gewalt  des  Aufsichtsrates  ab,  der  mit  ihm  den  Anstellungsvertrag ­
  schließt  und  ihn  bei  seiner  Geschäftsführung
beaufsichtigen  soll.  Zn  Wirklichkeit  aber  ist  das  Verhältnis ­
  in  den  allermeisten  Fällen  gerade  bei  den  Banken
doch  umgekehrt.  Ein  nicht  unerheblicher  Teil  der  Aktien
des  Znflltuts  pflegt  im  Besitz  von  Verwandten  und
Freunden  der  Direktoren  zu  sein,  so  daß  er  vor  unliebsamen ­
  Überraschungen  gesichert  ist.  Natürlich  hängt  seine
Posillon  von  dem  Grade  des  Ansehens,  das  er  in  Fachkreisen ­
  genießt,  und  von  der  Tüchtigkeit  außerdem  ab.
Aber  die  finanzielle  Machtstellung  in  der  Generalversammlung ­
  ermöglicht  doch  unleugbar  manchem  wenig  Begabten, ­
  seine  Stellung,  in  die  er  durch  Protektton  oder
seltener  durch  die  Anciennität  gelangt  ist,  festzuhalten.
Die  Protektton  spielt  natürlich  auch  bei  Besetzung  der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.