Full text : Berliner Banken

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Großstadt-Dokumente  Bd.  8.  Berliner  Banken.

selbe  Zeit  brachten  gewisse  Vorgänge  die  Privatbankiers
beim  Publikum  in  Mißkredit.  Geachtete  Firmen,  wie
Friedländer  &  Sommerfeld  und  Hirschfeld  &  Wolfs,
brachen  zusammen.  Die  Bankiers  Maaß  und  L.  W.
Schnökel  jun.  stellten  ihre  Zahlungen  ein,  und  in  allen
Fällen  waren  Depots  veruntreut,  Gelder  unterschlagen,
kamen  Schwindeleien  gröbster  Art  ans  Tageslicht.
Obenein  sah  sich  das  Publikum  durch  berufsnräßige
Gauner,  wie  den  berüchtigten  Hugo  Loewy,  genarrt,  der
in  prahlerischer  Weise  verschiedene  Geschäfte  in  der  Stadt
eröffnet  und  die  ihm  anvertrauten  Gelder  veruntreut
hatte.  Das  Publikum  begann  sich  unsicher  zu  fühlen,
und  wie  das  in  solchen  Fällen  immer  zu  gehen  pflegt,
wußte  es,  namentlich  als  auch  in  der  Provinz  mehrere
ungetreue  Bankiers  flüchtig  wurden,  die  Spreu  nicht
vom  Weizen  zu  sondern.  Das  Mißtrauen  richtete  sich
gegen  den  ganzen  Stand,  selbst  alte  eingesessene  Bankhäuser, ­
  wie  die  Firma  F.  W.  Krause  &  Comp.,  mußten
es  sich  damals  gefallen  lassen,  daß  auf  ihre  Kassen  die  geängsteten ­
  Einleger  Stunn  liefen.
Die  Kundschaft  ging  in  jenen  Tagen  zu  den  Banken
über,  und  man  hat  von  da  ab  immer  mehr  und  mehr
das  Aktienkapital  als  Garantiekapital  in  den  Kreisen
des  Privatpublikums  anzusehen  sich  gewöhnt.  Wenn
jene  Bankzusammenbrüche  keine  weiteren  Folgen  gehabt
hätten,  so  würde  vielleicht  doch  nach  der  Beruhigung,  die
dem  Sturme  gefolgt  wäre,  alles  wieder  in  die  alten
Bahnen  eingelenkt  sein.  Aber  jene  Krisis  schuf  im  Volke
eine  so  starke  Mißstimnmng  gegen  den  Bankierstand,
daß  die  schon  verschiedentlich  in  den  Vordergrund  getretenen ­
  Bestrebungen  zur  Schaffung  einer  Bankiersgesetzgebung ­
  kräftige  Nahrung  erhielten.  Daß  sowohl  das
Depotgesetz  wie  auch  das  Börsengesetz  durchaus  notwendig ­
  waren,  steht  außer  allem  Zweifel.  Es  ging  vor
            
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