Full text: Berliner Banken

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Großstadt-Dokumente S3b. 8. Berliner Banken. 
inhaber glaubten diese Art von Reklame rentabler ge 
stalten zu können, wenn sie nicht die Kurse ins Fenster 
hingen, sondern dort nur die Ankündigung erließen, 
daß die neuesten Kurse im Laden einzusehen seien. So 
entwickelten sich die Berliner Wechselstuben teilweise zu 
einer Zentrale des wildesten Börsenspiels. Rentiers von 
oft recht zweifelhafter Sorte, große und kleine Geschäfts 
leute verbrachten seit der Einführung des Telephons die 
Mittagsstunden ständig in der Wechselstube, um von 
jeder Schwankung der Kurse auf telephonischem Wege 
sofort unterrichtet zu werden. Daß diese Leute über den 
Reizen des Spiels oft ihr Geschäft und ihre Famllie 
vergaßen, gehörte keineswegs zu den Seltenheiten; ein 
Teil der Berliner Wechselstuben wurde für manchen ur 
sprünglich ehrbaren Menschen zum Ruin. Besonders 
schlimm wurde der Wechselstubenunfug, als einzelne Be 
trüger mit der ausgesprochenen Absicht, das Publikum 
zu rupfen, Wechselstuben eröffneten. Rach dem Muster 
zweifelhafter Londoner Firmen führten sie, die an der 
Börse meist keinen Kredit genossen, die Aufträge des 
Publikums gar nicht aus, sondern machten sie, wie der 
Fachausdruck lautete, „in sich". Berlor das Publikum, 
dann zogen diese modernen Raubritter das Geld von 
ihm ein, gewann es, so machten sie entweder Schwierig 
keiten oder zogen es womöglich vor, gänzlich das Weite 
zu suchen. Diese rücksichtslose Ausbeutung der Kund 
schaft und die von solchen Elementen zum System er 
hobene skrupellose Verleitung wenig vermögender Leute 
zum Börsenspiel waren nicht zum geringsten Schuld 
daran, daß das Börsengesetz entstand und in weiten 
Kreisen des deutschen Volkes die Anschauung sich durch 
setzte, daß Börse und Schwindel ZwMngsgeschwister 
seien. 
Die Depositenkassen der Banken dienten ursprüng
	        
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