Full text : Berliner Banken

Der  Kastenbote.

Ich  kann  die  Schilderung  der  Bankangestellten  doch
nicht  verlassen,  ohne  wenigstens  ein  paar  Zeilen  den
Kassenboten  zu  widmen.  Jeder,  der  einmal  in  irgend  ein
Warengeschäft  hineingeblickt  hat,  weiß  ein  Liedchen  von
den  treuen  bejahrten  Hausdienern  zu  singen.  Aber  die
Stellung  des  Kassenboten  im  Bankgeschäft  ist  doch  selbst
heute  noch,  wo  die  patriarchalische  Geschäftsführung  bis
auf  wenige  beaux  ro8te8  geschwunden  ist,  eine  wesentlich
andere.  Freilich,  die  Zeiten  sind  durch  die  Entwicklung
des  Scheckwesens  und  des  Giro-Effektenverkehrs  auf  der
Bank  des  Berliner  Kassenvereins  vorbei,  wo  der  Kassenbote ­
  mit  Hunderttausenden  im  Ledertäschchen  durch  die
Straßen  ging.  Aber  noch  immer  sind  die  Summen,  die
ihm  anvertraut  werden,  so  erheblich,  daß  nur  unbedingt
zuverlässige  Leute  solche  Posten  bekleiden  können.  Wenn
man  bedenkt,  wie  viel  solcher  Boten  sich  tagtäglich  unterwegs ­
  befinden,  mit  welchen  Summen  sie  hantieren,  so  ist
es  geradezu  bewunderungswürdig,  wie  selten  einmal  Verluste ­
  bekannt  werden,  die  Banken  oder  Bankiers  durch
Nachlässigkeit  oder  gar  Untreue  dieser  Kassierer  erleiden.
Besonders  verwunderlich  ist  das  für  den,  der  weiß,  daß
ein  Kassenbote  dem  andern  nahezu  unbegrenztes  Vertrauen ­
  schenkt.  Ich  habe  es  selbst  auf  früheren  Botengängen ­
  erlebt,  daß  in  einer  Budike,  die  dicht  neben  der
            
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