Full text : Berliner Banken

76  Grohftadt-Dokumente  58b.  8.  Berliner  Banken.
person  des  Lhefs.  Selbst  wenn  aus  dem  Privatkontor
schwere  Gewitterwolken  dräuten  und  wenn  das  Personal
ängstlich  daraus  wartete,  daß  der  zündende  Funke  unter
ihnen  einschlagen  würde,  blieb  das  Gesicht  des  alten
Boten  unbeweglich,  und  ihm  wagte  der  Donnerer  auch
nicht  im  Zorn  zu  nahen.  Der  Bote,  der  womöglich  schon
vom  Vater  ererbt  war,  der  bei  den  Diners  servierte,
dessen  Frau  als  Kochfrau,  Tafeldeckerin  oder  womöglich
gar  als  Kinderftau  im  Hause  des  Lhefs  tätig  war,  bildete
eine  Art  Mittelsperson  zwischen  der  hohen  Geschästsregierung
  und  den  Regierten.  Er  war  namentlich  der
Mentor  der  Lehrlinge.  Er  eröffnete  ihnen  die  Geheimnisse
des  Kopierbuchs  und  der  Portokasse,  er  zeigte  ihnen,  wie
man  ordnungsmäßig  einen  Wechsel  präsentiert  oder  einen
Gfsektenposten  einliefert,  er  war  der  Vertraute  |it)rer  ersten
Liebesgeheimnisse  und  ihrer  Geldsorgen.  Zn  manchem
Welthaus  befindet  sich  heut  noch  solch  ein  Exemplar  aus
alter  Zeit,  vor  dessen  grader  Grobheit  das  dem  Hause
vorstehende  Mitglied  der  Hautefinance  genau  so  viel.
Respekt  hat,  wie  der  jüngste  Volontär.
            
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