IIT. Teil. Italien.
Eigentum in Italien einverstanden, bemängelte aber die Einzelheiten des Erlasses. Das
„Giornale d’Italia‘ schrieb, die Maßnahmen seien unvollständig. Während den
österreichischen Staatsangehörigen durch das Dekret vom, 24, Juni 1915 die italienischen
Gerichte für alle Rechtsfragen ziviler, kommerzieller und. administrativer Natur gesperrt
wurden, werde diese Maßnahme gegen die Deutschen erst als spätere Eventualität vor-
gesehen. Diese ungleiche Behandlung der Feinde Italiens sei nicht gerechtfertigt. Ferner
trete das neue Dekret mit dem, 20. Juli in Kraft, während das Dekret vom 24, Juni 1915
rückwirkende Kraft besaß. Da ein großer Teil des deutschen Besitzes in schweizerische
oder gar italienische Hände überging, werde die praktische Wirkung der Güterkonfiskation
stark beeinträchtigt. Der Kommentar des Blattes klingt in die Frage aus, wann wohl
die letzten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Italien und Deutschland abgebrochen
würden.
V. Durch das Dekret vom 18. Juli 1916 werden die deutschen Staats-
{En angehörigen in Italien auch offiziell als „Feinde“ behandelt, wenn schon
| die italienische Regierung dem Deutschen Reiche den Krieg nicht erklärt
hat, und obwohl der zwischen beiden Ländern bestehende Handelsvertrag
vom 6. Dezember 1891 mit Zusätzen vom 3. Dezember 1904 noch nicht
gekündigt wurde. Er dauert bis 31. Dezember 1917, muß aber ein Jahr
vorher gekündigt werden, da er sonst für fünf weitere Jahre ver-
längert gilt !).
Die Gründe, die Italien von einer Kriegserklärung zurückhalten,
scheinen sowohl wirtschaftlicher, als militärischer Natur zu sein.
Deutschland, Österreich- Ungarn und die Türkei sind die größten
Abnehmer für die italienischen Ausfuhrartikel. Auch war Italiens Industrie
— Wenigstens vor dem Krieg — auf viele deutsche Erzeugnisse angewiesen.
Die „Züricher Post‘ schrieb noch vor dem 18. Juli 1916:
„Bei der Entscheidung darüber, wie die deutschen Maßnahmen zu beantworten
seien, wird sich die italienische Regierung wohl auch von der Erwägung leiten lassen, ob
nach dem Krieg die deutsch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen in der alten
ATEM Weise fortzusetzen seien, oder ob entsprechend. der politischen Neuorientierung Italiens
HM auch seine Wirtschaftspolitik einen neuen Weg einschlagen solle. Vor dem Krieg war
ja Deutschland der größte Lieferant und der stärkste Kunde Italiens; Deutschland und
Österreich-Ungarn haben in Ausfuhr und Einfuhr einen größeren Handel mit Italien
4 betrieben als alle Ententeländer zusammen, und vielleicht hat gerade die Erkenntnis von
| den Schwierigkeiten, die italienischen Handelsbeziehungen willkürlich auf eine völlig
andere Bahn zu lenken, stark dabei mitgewirkt, daß Italien bisher noch nicht alle Brücken
; zu Deutschland. abgebrochen hat. Doch hat sich Italien im Lauf des Krieges auch wirt-
schaftlich und finanziell so eng an seine politisehen Bundesgenossen anschließen müssen,
daß es nicht mehr überraschen würde, wenn das Kabinett Boselli unter dem Druck seiner
interventionistischen Mitglieder auch diese letzte Folgerung aus Italiens Bündnis mit
dem, Dreiverband, ziehen würde.‘‘
Die „Deutsche Tageszeitung‘ bemerkt: „Ob Italien uns den Krieg erklärt oder
nicht, dürfte für Deutschland von sehr viel geringerer Bedeutung sein als für Italien“.
{8 Die „Münchener Neuesten Nachrichten‘ erinnern daran, daß Italien im Jahre 1913 für
317 Milionen Mark Waren nach Deutschland lieferte und dafür für 393 Millionen deutsche
Waren entgegennahm, beide Länder hätten demnach ungefähr das gleiche Interesse an
der Fortsetzung ihrer Handelsbeziehungen gehabt. Italien werde es jedenfalls schwer
?) Die Kündigung erfolgte erst später. Siehe unten Seite 106.