Chun Gotha habe ich auch die Freude gehabt, neben an-
[F deren Gesinnungenossen den vortrefflichen Professor
Dr. Arwed Em m in g h a u s kennen zu lernen. Es war
eine selten wiederkehrende Stunde, als Exzellenz Adolph
Wagner, der konservative Staatsssozialist, und Professor
Emminghaus, der Vertreter der alten liberalen Schule,
nach einander in unserer Versammlung das Wort ge-
nommen haben, um sich beide zur Bodenreform zu be-
kennen. Professor Emminghaus ist am 8. Februar 1916
gestorben. Er hat am 28. Februar 1910 an Damaschke
einen sehr bemerkenswerten Brief gerichtet, der in un-
serer Zeitschrift (1910 S. 132) abgedruckt worden ist. Er
sagte darin, Damaschke habe der liberalen Schule der Na-
tionalökonomie mit Recht vorgeworfen, daß sie dem Pro-
duktionmittel Nat ur nicht ganz gerecht geworden sei.
Einige hätten das zur Gütererzeugung benutzte Land als
Kapital eingeschätt. Viele wären Gegner der Häu-
fung des Grundbesitzes in den Händen der Gemeinde und
des Staats gewesen. Von der Steuer nach dem gemeinem
Wert und der Zuwachssteuer habe man nichts gewußt,
oder nicht davon gesprochen. Die Behandlung der unter-
irdischen Bodenschätze auf anderem Fuße wie die ober-
irdischen sei nicht gefordert und der M on o p o l charakter,
der unbeschränktem Landeigentum beiwohne, zu wenig
beachtet worden.
Die noch lebenden Anhänger der alten liberalen
Schule seien gewiß nicht taub gewesen gegen die epoche-
machende Lehre von Henry George, die ihren Grundan-
schauungen in keiner Weise widersprochen habe; sie seien
gewiß meistens treue Mitglieder des Bundes deutscher
Bodenreformer geworden. Er müsse aber mit besonderer
Energie fordern, daß in der Praxis der Bodenreformpo-
litik dem berechtigtem IJ n di vi d u a l i s m u s sein vol-
les Recht gewahrt werde! Die Macht, die dem Staate und
Gemeinde aus umfassendem Bodenbesitz erwachse, sei
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