Full text: Der Handelskrieg von England, Frankreich und Italien gegen Deutschland und Österreich-Ungarn

  
    
   
Die Pariser Wirtschaftskonferenz, 117 
  
HL 
(Patente, Ursprungszeichen und Handelsmarken.) Die Alliierten werden 
eine Zusammenkunft technischer Delegierter berufen, um Maßnahmen zur weit möglichsten 
Anpassung ihrer Gesetze über Patente, Ursprungszeichen und Handelsmarken zu treffen, 
In Bezug auf Patente, Handelsmarken, sowie das „copyright‘“ von literarischen und 
künstlerischen Erzeugnissen, die während des Kriegs in feindlichen Ländern entstanden 
sind, werden die Alliierten, soweit als möglich, nach Beendigung der Feindseligkeiten in 
gleicher Weise vorgehen. 
Die technischen Delegierten der Alliierten werden diese Maßnahmen ausarbeiten. 
D. 
(Ausführung dieser Maßnahmen in den einzelnen Ländern.) Da die 
alliierten Mächte zwecks gemeinsamer Abwehr gegen den Feind sich verständigt haben, 
eine gemeinsame Wirtschaftspolitik auf Grund der in den angenommenen Be- 
schlüssen festgelegten Richtlinien zu befolgen und die Wirksamkeit dieser Politik völlig 
darauf beruht, daß diese Beschlüsse sogleich in Kraft treten, wird den alliierten 
Regierungen. von ihren Vertretern empfohlen, ohne Verzug alle zeitweiligen oder 
dauernden Maßnahmen zu treffen, die geeignet sind, dieser Politik sogleich voll- 
ständige Wirkung zu verleihen, und einander die zur Erreichung dieses Zwecks getroffenen 
Entschlüsse bekannt zu geben. 
IN. Erklärungen des französischen Handelsministers 
Clementel?). 
Die einstimmig von der Konferenz beschlossenen Maßnahmen haben defensive Be- 
deutung. Die deutsche Farbstoffindustrie hat sich zu einer engen Interessengemeinschaft 
zusammengeschlossen, die Werte über 1 Milliarde darstellt und den Zweck verfolgt, auch 
nach dem Kriege die Vorherrschaft auf dem Weltmarkt zu behalten, dem sie bis heute 
87% aller Farbstoffe zuführte. Gegen solche Monopole, welche die Deutschen auch 
auf andern Gebieten wieder erlangen wollen, müssen sich die Alliierten wehren. 
Die Lieblingswaffe der Deutschen zur Eroberung der ersten Stelle im Welthandel 
ist das Dumping, welches eine Reihe von Maßregeln begreift: direkte oder versteckte 
Ausfuhrprämien, höhere Verkaufspreise im Innen- und im Außenverkehr usw., welche die 
fremde Konkurrenz zugrunde richten sollen. 
Wo sich der deutsche Handel einnistet, erhebt er nicht nur Tribute, sondern bereitet 
Okkupation vor, und hinter Friedensarbeit verbergen sich kriegerische Absichten. Bereits 
jetzt erstrebt Deutschland die Kontrolle über gewisse Rohstoffe, besonders Metalle. 
Gegen alle diese Maßnahmen hat die Pariser Konferenz Vorkehrungen getroffen: 
wir sind durch den Krieg überrascht worden, wir wollen nicht durch den Frieden überrascht 
werden. Die Alliierten sind wirtschaftlich die stärkeren. Sie haben eine Bevölkerung von 
nahezu 400 Millionen Einwohnern und haben den größten Teil der Rohstoffe in ihren Händen, 
so Nickel- und Platinerz, Aluminium (Bauxit) ganz, Mangan im Verhältnis 84 %/g. Die Hanf - 
erzeugung der Alliierten ist 41/2 mal stärker als die ihrer Feinde; die Alliierten verfügen 
über */; der Flachserzeugung der Welt; was die Rohwolle anbetrifft, so sind ihre Bestän de 
4 mal größer als diejenigen der Gegner; was die Seide anbetrifft, 8 mal; sie haben das Ju te- 
monopol, und, wenn neben den Alliierten die Neutralen an der Erzeugung der Baumwolle 
einen bedeutenden Anteil haben, so sind. unsere Gegner vollständig davon ausgeschlossen. 
Die wirtschaftliche Überlegenheit der Alliierten ist offenbar. Um sie zu sichern, 
hat man auf der Konferenz eine einheitliche Zollpolitik ins Auge gefaßt. Jeder Bundes- 
genosse aber wird seine vollständige Unabhängigkeit bewahren. Jede Ware wird indessen 
zu besonderen Vereinbarungen zwischen den sich dafür interessierenden Staaten Anlaß 
geben. Eine Unmenge von Kombinationen ist dabei möglich. 
1) Veröffentlicht in „Le Temps‘, 21./22. Juli 1916. 
  
  
 
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.