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IV. Teil. Die Pariser Wirtschaftskonferenz. 129
VI. Protestbewegung in Amerika.
In den Vereinigten Staaten hat sich auch zuerstin weiterem
Umfange eine öffentliche Bewegung gegen die Beschlüsse der
Wirtschaftskonferenz geltend gemacht.
So wurde in den Tagen vom 18. bis 20. Juli 1916 aus New York berichtet, die Re-
gierung halte es für notwendig, frühzeitig gesetzliche Maßnahmen zum Schutze der
Vereinigten Staaten gegen den in Paris geschlossenen Wirtschaftsbund der Entente
zu ergreifen. Im Senat sagte Senator Stone, der hauptsächliche gemeinsame Plan der
Alliierten sei, einen Handelskrieg gegen Deutschland, zu führen, nachdem, es besiegt sein
würde. Es sei kein Versuch gemacht worden, ihre Absicht zu verschleiern.
Eine umfangreiche Bewegung ist gegen England im Gange, das den Handel mit
dem Feinde hindert. Die gesamte amerikanische Presse protestiert und fordert Wilson
auf, die energischste Note nach England zu schicken, die er jemals zur Verteidigung der
Verletzten Interessen Amerikas geschrieben habe. Die „New York Times‘ vermutet,
daß England nach ungenügender Überlegung seinen Beschluß gefaßt habe und es die Liste
der Konterbande-Artikel auf einen Protest Washingtons hin aufgeben werde.
Sogar begeisterte Ententeblätter erheben Einspruch dagegen, daß England ameri-
kanische Firmen, die mit deutschen Häusern Handel treiben, auf die schwarze Liste setzt.
Nach der „New York Times“ will Wilson auf Grund des Trustgesetzes deswegen eine
gerichtliche Untersuchung einleiten.
Der Londoner „Daily Telegraph‘“ meldet am 19. Juli 1916 aus New York:
„Die Zeitungen beschäftigen sich lebhaft mitderheute veröffentlichten schwarzen
Liste von amerikanischen Firmen. Das hiesige Publikum ist an ein solches Verfahren
nicht gewöhnt und der amerikanische Handel fürchtet, daß die amerikanischen Interessen
leiden würden. Man erwartet, daß Wilson eine kräftige Protestnoate nach London
sendet, wie es die öffentliche Meinung New Yorks verlangt.“
Der Washingtoner Korrespondent der „New York Tribune“ schreibt, man besorge
schwere Folgen von dem Eingriff in den amerikanischen Handelsverkehr. Firmen, die
bedeutende Handelsbeziehungen zu England und den Verbündeten haben, würden den
Verkehr mit Firmen auf der schwarzen Liste aufgeben aus Furcht, selbst darauf gesetzt
zu werden. Die britischen Maßregeln würden nur darauf hinauslaufen, den gesamten
auswärtigen Handel der deutschen und österreichischen Firmen in den Vereinigten Staaten
zu vernichten, vielleicht auch, ihr ganzes inländisches Geschäft.
Die „Times“ meldet aus Washington vom 19. Juli: Die Regierung wird die
Bewegung, die wegen Veröffentlichung der schwarzen Liste entstanden ist, in Anbetracht der
heiklen innerpolitischen Lage vielleicht nicht außer Acht lassen können.
22. Juli 1916. Reuter meldet aus Washington: Das Kabinett hat über die Lage
Washington eingeleitet.
Die „Times“ meldet hierzu aus Washington: .
„Die Erbitterung der Kaufleute über die schwarze Liste, die durch die britische
Regierung aufgestellt worden ist, nimmt zu. Neutrale Mächte haben vorgeschlagen, daß
die Vereinigten Staaten die Führung der Verhandlungen übernehmen sollten, um zu
gemeinschaftlichen Wiedervergeltungsmaßregeln schreiten zu können. Die Haltung
der amerikanischen Regierung wird durch die Vorschläge anderer Neutraler, die ebenfalls
eine Zusammenarbeit anbieten, verstärkt. Die Forderung der öffentlichen Meinung und
die offensichtlichen politischen Vorteile, die errungen werden könnten, haben zu einem
Curti, Handelskrieg, 9