Full text: Kritischer Beitrag zur Theorie des internationalen Handels

— AO — 
Anders bei der Theorie der internationalen Werte. Die bei 
den internationalen Tauschvorgängen bestehende dauernde Span- 
nung zwischen Preis und Kosten läßt sich nicht derart fortargumen- 
tieren. Das hat Mill eingesehen. Die Folge ist seine Analyse 
der Nachfrageerscheinungen. Daß auch er schließlich an der 
prinzipiellen Bedeutung der Nachfrage für eine Gesamterklärung 
aller Tauschvorgänge vorbeisieht, wollen wir etwas ausführlicher 
beweisen. 
Wir passen uns zu diesem Zweck der Methode Mills an, 
mit deren Hilfe er seine Theorie der internationalen Werte ent- 
wickelt. 
Mill beginnt mit dem bekannten Beispiel des Austausches 
von Tuch und Leinen zwischen England und Deutschland. Die 
Situation vor Eröffnung des Tausches sieht wie folgt aus: 
England tauscht im eigenen Lande: 
Ellen Tuch : Ellen Leinen = 10: 15; Deutschland: 
Ellen Tuch : Ellen Leinen = 10: 20°). 
Nach Eröffnung des Tausches muß der Preis zwischen den 
Relationen 10:15 und ı1o:20 liegen, da bei Eintreten einer 
dieser Grenzfälle England bzw. Deutschland zur Eigenproduktion 
übergehen würde. 
Wo wird er liegen ? 
Dies zu untersuchen, stellt sich Mill ausdrücklich zur Auf- 
gabe. Er beginnt mit einer Annahme des Preises, da es bei dessen 
Schwankungen keinen Unterschied mache, wie wir ihn im Beginn 
annehmen?). „Wir wollen daher annehmen“, sagt Mill, „daß 
infolge der Wirkung des von Adam Smith sogenannten Feilschens 
und Handelns auf dem Markte 10 Ellen Tuch sich in beiden Ländern 
gegen 17 Ellen Leinen austauschen lassen®)““, und zwar unter der 
Voraussetzung, daß zu diesem Preise die nachgefragte Menge auf 
beiden Seiten 1000 Einheiten beträgt. In diesem Falle werden die 
nachgefragten Mengen 1000XI0 und 1000X 17 genau ausreichen, 
einander zu bezahlen. Angebot und Nachfrage oder gegenseitige 
Nachfrage „(reciprocal demand“‘*)) befinden sich im Gleichgewicht 9). 
1) Vgl. Mill, a.a.O. II, 18. chapt., $ 2, S. 126/127. 
2) Vgl. Mill, a.a.0O. S. 127: „...‘it does not matter what we suppose it to 
be when we begin.“ 
3) Ebenda: „Let us suppose, then, that by the effect of what Adam Smith calls 
the higgling of the market, 10 yards of cloth, in both countries, exchange for 17 yards 
of linen.“ 
4) Vel. Mill, a.a. 0. S. 136. 
5) Vgl. Mill, a.a.0. S. 126/27. 
Ost
	        
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