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der Verbilligung der Bodenprodukte auf (bzw. Verteuerung der
Industrieprodukte), so wird die Grundrente fallen, der Nominal-
lohn sinken und der Profit steigen. Die daraus folgende An-
sammlung von Neukapital wird den Profit wiederum herab-
drücken !), so daß zuletzt die Masse der Konsumenten, vor allem
die Arbeiter, aus der Zunahme der Ergiebigkeit der Produktion
Vorteil ziehen.
Es ist klar, daß dieser Fall nur einer unter vielen ist und daß
die radikale Verallgemeinerung der klassischen Verteilungslehre zu-
gunsten der Äquivalenztheorie den komplizierten Prozeß dieser
Verteilung verschleiert. Wir wollen hierauf jedoch vorläufig noch
nicht eingehen, um Wiederholungen zu vermeiden, vielmehr nur
darauf aufmerksam machen, daß diese doppelte Verteilungstheorie
sich auflösen muß, sobald wir im Sinne der oben erwähnten Inter-
pretation Mills das Moment der Kosten auf den technischen Koeffi-
zienten reduzieren und diesen in einen einfachen Mengenausdruck
transponieren. Die Folge wird dann sein, daß die besondere Theorie
der internationalen Verteilung zu einer Modifikation des Knapp-
heitsprinzips herabsinkt, oder in der Ausdrucksweise der Nutzen-
theorie, daß wir es dann nur mit einer Variation der relativen Selten-
heit zu tun haben.
Gegenüber dieser Wegrichtung, die wir einzuschlagen haben,
ist es ein Abgleiten in den ausgetretenen Pfad klassischer Denkweise
— zum mindesten bezüglich der Ausdrucksweise —, wenn Kritiker
der Theorie der internationalen Werte mit der Waffe des Ertrags-
gesetzes das imponierende Gebäude dieser Theorie zu erschüttern
suchen.
Der Angriff hat den Schein des Rechts auf seiner Seite, da
er in der Tat eine gewisse Einseitigkeit der klassischen Voraus-
setzungen bloßstellt, die Ricardo und Mill hätten vermeiden
können. Gemeint ist die oben erwähnte Annahme einer Konstanz
des technischen Koeffizienten. Kellenber ger?), den wir hier zum
Wortführer solcher Kritik machen, polemisiert wie folgt gegen
1) Eine ergänzende Bemerkung unsererseits, die allerdings Ricardo nicht aus-
gesprochen hat.
2) Vgl. Kellenberger, Zur Theorie von Freihandel und Schutzzoll. Welt-
wirtschaftliches Archiv, 7. Bd., 1916.