Full text: Kritischer Beitrag zur Theorie des internationalen Handels

tont!). Es bleibt also offenbar nur die Schwerfälligkeit in der Be- 
wegung der Menschen selbst als stichhaltiger Grund bestehen, wenn 
man nicht, wie es ja allerdings für die Beispiele Ricardos und Mills, 
in denen nur der „Naturalaustausch‘‘ (‚„‚barter‘“) berücksichtigt wird, 
konsequenterweise angenommen werden müßte, Kapital = Real- 
kapital setzt, und damit die einmal vollzogene Investition von Kauf- 
kraft in eine individuelle Kombination von Sachgütern und Arbeit 
als Gravitationsmoment mit in Rechnung stellt. Im Zeitalter des 
„Effektenkapitalismus‘“ sind zwar solche Investitionen nicht schneller 
umdisponierbar als früher (die ‚„Verfügungswucht‘“ [Gottl] des 
Kapitals dürfte sich nur unbedeutend verstärkt haben), so daß wir 
theoretisch, zumal für den Gleichgewichtszustand der reinen Theorie: 
die Tatsache der Bindung des Kapitals nicht übersehen dürfen, die 
Mobilisierung des Kapitals hat jedoch zur Zeit die Wirkung einer 
Antizipation geplanter Umdisponierungen mittels der Lombar- 
dierung — ganz abgesehen natürlich von dem schon erwähnten 
Geldkapitalfond, der jeweils beliebig verfügbar ist. Gewisse Grenzen 
für die Beweglichkeit des Geldkapitals steckt allerdings hier auch das 
Risiko, im internationalen Verkehr vor allem das Valutarisiko. Es 
ist deshalb auch stets die Erscheinung verschiedener Währungs- 
systeme zur Begründung von Übertragungsschwierigkeiten des 
Kapitals herangezogen worden. Bei aller Meinungsverschiedenheit 
über den Grad der „mobility of capital‘ wird dieser doch allgemein 
höher eingeschätzt als derjenige der Arbeit; und zweifellos ist 
die Arbeit trotz der Entwicklung des modernen Verkehrs in ihrer 
regionalen Beweglichkeit erheblich beschränkt?) ; hinzukommt, daß 
außerdem infolge der Qualitätsdifferenzierung der Arbeit innerhalb 
der einzelnen Produktionszweige die Übertragung von Arbeit relativ 
ausgeschlossen ist, zum mindesten, wenn man gewisse Zeiträume 
berücksichtigt. Es sind deshalb auch nicht nur die von Ricardo 
angedeutete Heimatliebe, nicht nur die später häufig erwähnten Er- 
scheinungen der Sprachverschiedenheit, anderer Sitten und Ge- 
wohnheiten, anderer Rechtsinstitutionen usw., die eine Zirkulation 
ı) Vgl. Bastable, a.a. O.: „It may with reason be held that, ‚a cosmopolitan 
loan fund’ exists which runs everywhere as it is wanted, and as the rate of interest 
tempts it“ (S. 9). 
2} Gleicher Auffassung ist Edgeworth, a.a. O. S. 35: „capital and perhaps 
business power“ könnten als übertragbar anerkannt werden. „But labour cannot be con- 
ceived as flowing so freely.“ ‚Anders u. W. nur v. Mises, Ludwig: Vom Ziel der 
Handelspolitik, Archiv f. Soz. Wiss., 42. Bd., 1916/17, S. 562. 
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