Full text : Kritischer Beitrag zur Theorie des internationalen Handels

— SL —
den Raum existent, und zwar als „Marktverdichtungserscheinung“‘.
Darüber jedoch später.
Kehren wir nunmehr zum Thema zurück und fassen das
Gesamtergebnis in einem Schlußwort zusammen, so mag es auffallen,
 daß sich die Kritik im engeren Sinne in wohlbekannten
Bahnen bewegt. Wir konnten deshalb auch manche Abschnitte
besonders den letzten kürzer fassen, als es für eine vollwertige
Begründung nötig gewesen wäre. Aus der Zuspitzung unserer
Fragestellung auf die Ausschließlichkeit eines Entweder — Oder
folgt jedoch eine neue Einstellung zu den bekannten Einzelresultaten,
die, wie wir glauben möchten, das unbedingte Ende der Theorie
des internationalen Handels bedeutet.
Nebenbei zeigt uns das einleitend erwähnte Beispiel Boehlers,
wie notwendig es ist, auf Grund einer methodologischen Besinnung
diese Alternative zu stellen. Die Theorie des internationalen Handels
ist danach vom Standpunkt der Theorie aus gesehen, Theorie
schlechthin, vom Standpunkt des Anwendungsproblems dagegen
das unglückliche Produkt einer Mischehe von Theorie und Handelspolitik.
 Lehnen wir diese Ehe ab, dann fällt auch die Behauptung
von einer selbständigen Theorie der Weltwirtschaft im Sinne
Boehlers. Es hat keinen Sinn mehr, von einer solchen im Gegensatz
 zur Theorie der Volkswirtschaft zu sprechen, sobald wir erkannt
haben, daß eine Heteronomie nicht vorhanden ist. Verstehen wir
aber unter Theorie der Weltwirtschaft ‚„angewandte‘“ Theorie,
so ist diese Anwendung einerseits zweckwidrig, andererseits die
Bezeichnung als solche irreführend, da der Harmssche Begriff
der Weltwirtschaft, der sich allgemein eingebürgert hat, völlig
anders gebildet ist und damit auch andere Forschungsprobleme
aufgibt. In richtiger Erkenntnis der Möglichkeiten der Theorie
spricht denn auch Harms nur von einer „Theorie der Produktionsdifferenzierung‘“
 !), die er noch für neu zu begründen hält — offenbar
 eine auf breiterer weltwirtschaftlicher Grundlage gedachte
Standortstheorie.
Die Bedeutung der „angewandten“ Theorie für den mit dem
Harmsschen Begriff der Weltwirtschaft bezeichneten Aufgabenkomplex
 ist also relativ gering, und zwar ganz besonders dann,
wenn wir die angewandte Theorie so verstehen, wie wir sie anzudeuten
versucht haben. Wollen wir für diese durchaus einen bekannten
1) Vgl. Harms, aa. O,, S: 396/97.
Weigmann, Internat. Handel,

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