New Yorker Wechselkurses als Grundlage eines von London
unabhängigen Geldverkehrs für Nord- und Südamerika, fi-
nanzielle und kommerzielle Durchführung der Monroedok-
trin, vor allem die kapitalistische Herrschgewalt am Stillen
Ozean, d. h. in Südamerika und Ostasien.
Der Kampf aller gegen alle in der alten Welt schaffte
indessen nicht allein die Vorbedingungen dieser Machterwei-
terung, sie fanden sich im Lande selbst. Das Mißverhältnis
zwischen Kapitalbedarf und Kapitalbildung, das zu der
Krisis von 1907 geführt (vergleiche mein 1912 bei Gustav
Fischer in Jena erschienenes Buch: „Die New Yorker Fonds-
börse [Stock Exchange]. Ihre Geschichte, Verfassung und
wirtschaftliche Bedeutung‘), hatte schon vor dem Kriege
infolge der seit acht Jahren herrschenden Stagnation des
Wirtschaftslebens einerseits, der Intensivierung der Land-
wirtschaft andrerseits einer starken Kapitalansammlung
Platz gemacht. Das im November 1914 in Kraft getretene
Bundesreservegesetz hatte die Unelastizität des Notenum-
laufs beseitigt, das Akzeptgeschäft und damit einen ameri-
kanischen Markt in- und ausländischer Diskonten ermöglicht
and den Nationalbanken die Errichtung von Filialen im
Ausland erlaubt. Die am 15. August 1914 erfolgte Er-
öffnung des Panamakanals aber näherte den stillen Ozean
der industrie- und volkereichen Ostküste der Union.
4. Der Einfluß des Weltkrieges auf den internationalen
Effektenkapitalismus.
In der vierten Epoche des internationalen Effekten-
kapitalismus, deren Ende zurzeit nicht abzusehen ist, haben
sich die Gruppen der kapitalein- und ausführenden Länder
unter dem Einfluß des Weltkrieges stark verändert. Frank-
reich hört auf, der Bankier der Welt zu sein. Auch
Deutschland war nur noch im Kriege selbst imstande, seinen
beiden Bundesgenossen, Österreich-Ungarn und der Türkei
Kredite in Anleiheform zu geben; ebenso scheidet Belgien
aus der Zahl der Kapitalexporteure aus. Auch Rußland. hat
an den internationalen Kapitalbewegungen in Effektenform
keinen Anteil mehr. Nur England, Holland und die Schweiz
beteiligen sich weiter an der Kapitalausfuhr, freilich nicht
mehr in demselben Umfang, wie vor 1914, Japan, und be-
sonders Spanien, das neutral geblieben ist und daraus wirt-
schaftlich große Vorteile gezogen hat, treten, wenn auch
erst zaghaft, in den Kreis der kapitalausführenden Länder.
Nordamerika aber wird der mächtigste Geldgeber der Welt;
a8 finanziert nicht nur einen großen Teil des Weltkriegs,