A. Tatsachen
J. Begriff und Wesen der Rationalisierung
Je nachdrücklicher und eifriger das Problem der Rationalisierung
eroͤrtert, ihre Wirkungen besprochen, ihre Aussichten diskutiert werden,
desto wichtiger ist es, zu einer einheitlichen Terminologie dieses viel—
deutigen Begriffs zu kommen. Die einen verstehen darunter alle Maß⸗
nahmen, die gerichtet sind auf die Steigerung des Leistungsgrades
der Wirtschaft. Andere erklären, die Rationalisierung umfasse jede
Anordnung, die geeignet sei, aus dem Chaos der kapitalistischen
Produktion ein Kosmos der planmaͤßigen Bedarfsdeckung zu machen.
Wieder andere sehen in der Rationalisierung eine Moͤglichkeit, ihre
auf Reinigung der Wirtschaft von unlauteren Einflüssen gerichteten
Bemühungen zur Geltung zu bringen: — dies sind die Puritaner,
die Fanatiker der Vereinheitlichung und Vereinfachung um ihrer
selbst willen, die Feinde des Überflüssigen, die Luxusgegner. Die
Vierten schließlich begrüßen die Rationalisierung als ein willkommenes
Mittel, das Okonomisch⸗Technische durch Typisierung und Normali⸗
sierung so selbstverstaͤndlich wie möglich zu machen, so nebensächlich
und uninteressaut, daß es sich für den geistigen Menschen nicht mehr
lohnt, sich mit ihm eingehender zu beschäftigen. Sie erhoffen von
der Rationalisierung die Befreiung des Menschen aus der Gebunden⸗
heit an die materiellen Bedingungen des Nur⸗Wirtschaftlichen.
Man geht nicht fehl, wenn man behauptet, daß in Deutschland
als dem Lande der stärksten Vermengung des Skonomischen und
Weltanschaulichen diese sachpolitischen und gefühlpolitischen Begriffs⸗
bestimmungen so unentwirrbar miteinander verknüpft sind, daß eine
reinliche Scheidung sich als unmöglich erweist. Selbst die Begriffs⸗