9, Allgemeine Betrachtungen über die Gefrierfleischeinfuhr
nach Deutschland.
Aus vorstehendem ist zu entnehmen, daß in Deutschland der Einfuhr
von Gefrierfleisch in technischer Beziehung durchaus nichts im Wege
steht. Große Kühl- und Gefrierhäuser sind vorhanden und auch in allen
mittleren Städten sind maschinelle Kühlanlagen mindestens auf städtischen
Schlachthöfen zur Verfügung. Die deutsche Maschinenindustrie und ‚die
deutsche Technik spielen auf dem Gebiete der Fleischkonservierung durch
Kältemaschinen nicht nur im Inlande, sondern auch im Auslande eine
große und führende Rolle.
Es sei hier nur kurz an die Verdienste erinnert, welche sich Herr
Geh. Rat Prof. Dr. von Linde um die Entwicklung der Kälte-Industrie erworben
hat.
Wenn man sich in Deutschland nun entschließen würde, den Fehlbetrag
an Fleisch, welcher sich auf Grund der statistischen Feststellungen
ergibt, in Form von. gefrorenem oder gekühltem Fleisch von Übersee einzuführen,
so ergäbe dies bei 64000000 Einwohnern, entsprechend dem
Minus von 8,6 kg pro Kopf der Bevölkerung, eine Einfuhr von rund
550000 t pro Jahr. Dieses Quantum könnte ev. in den bestehenden Kühlhäusern
untergebracht werden, da die vorhandenen Lagerflächen in denselben
heute durchschnittlich nur bis zu 75°/, belegt sind. Wo aber Kühlhäuser
noch fehlen sollten, darf man der Tatkraft des deutschen Handels
und der deutschen Industrie zutrauen, daß diese im gleichen Zeitraum
geschaffen sind, welche der Konsum benötigt, um sich an das Gefrierfleisch
zu gewöhnen.
Als einzig fehlendes technisches Hilfsmittel für die Fleischeinfuhr
wäre ev. anzuführen, daß deutsche Fleischtransportdampfer nicht in genügender
Menge vorhanden sind. Nach der Liste der englischen Dampfer
haben die größten Fleischtransportschiffe eine Ladefähigkeit von etwa
3600 t. Wenn auch diese Zahl für deutsche Dampfer angenommen wird,
so wären für den Transport der Fleischmenge von 550000 t pro Jahr ca.
30 Fleischtransportdampfer nötig. Dabei ist berücksichtigt, daß ein Fleischtransport
ab Argentinien etwa 28 Tage unterwegs ist; woraus sich einschließlich
der Ladefristen ergibt, daß ein Dampfer höchstens etwa fünf
Fahrten jährlich ausführen kann. Nehmen wir nun an, daß nur in bereits
vorhandenen Frachtdampfern Kältemaschinen und Einrichtungen für den
Fleischtransport eingebaut, werden, so würde doch pro Dampfer eine
Ausgabe von ca. 400000, Mk., ohne die Kosten für die Isolierung des
Schiffes, erforderlich sein. Diese Summe gibt die Firma J. & E. Hall Li4.,
für die komplette Einrichtung mit Kältemaschine und Fleischhakenausrüstung
als ungefähren Preis pro Dampfer an. Es müßte also ein Kapital von
ca. 12000000 Mk. allein für maschinelle Einrichtungen investiert werden,
wenn wir das Fleisch mit eigenen Schiffen heranbringen wollten. Aber
auch hierzu würden sich unsere deutschen Reedereien wohl ohne weiteres
verstehen, weil es sich dann um regelmäßige wertvolle Frachten handelt.
Argentinien ist ein großer Abnehmer deutscher Erzeugnisse, und bei seinem
großen Bedarf kommt dieses Land noch sicherlich in höherem Maße für
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