3. Deutsches Verkehrswesen im Mittelalter.
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Hübel—Nollendorfer Passe und nach Teplitz und Prag oder über Zittau und
Reichenberg nach dem Inneren Böhmens.
Die Wege über Breslau und die obere Oder südlich lassen sich zur Zeit
nur ganz allgemein bestimmen, insofern der Durchweg durch den Glatzer Gebirgs
kessel und der von Leobschütz über Iägerndors—Troppau genannt werden.
Ostwestlich nun oder mehr diagonal können wir im ganzen auf drei bedeu
tendere Routen uns beschränken, indem wir die uralte Linie Salzburg—Ulm—
Kannstadt—Mühlacker oder Pforzheim—Straßburg—Nancy als hergebracht voraus
setzen. Dann beachten wir zunächst die Donau-Mainzer Straße von der Enns
oder der Jnnmündung über Regensburg nach Nürnberg, Windsheim, Uffenheim,
Ochsenfurt, Würzburg. Als Teilparallele diente die Linie Prag—Pilsen—Taus—
Cham—Amberg—Sulzbach—Hersbrück—Nürnberg. Außerdem war, wie nochmals
hervorzuheben, eine große Anzahl von Fahrwegen verschiedener Art vorhanden,
welche zum Teil zeitweise eine größere Bedeutung erlangten als die hier mit ihren
geographisch belangreicheren Stationen genannten. Zudem ist noch die gleichfalls
schon angedeutete Ausdehnung der Binnenschiffahrt des Mittelalters zu erwähnen.
Sodann kommt die große Mainz-Leipziger Route nach Schlesien in Betracht. Ihren
Verlauf bezeichnen wir mit Höchst, Frankfurt, Schlüchtern, Fulda, Vacha a. d.
Werra, Salzungen, Eisenach, Gotha, Erfurt, Eckartsberga, Naumburg, Leipzig,
Oschatz, Boriz (oberhalb Riesas), Großenhain, Kamenz, Bautzen, Görlitz. Endlich
hatte noch die Verbindung Kölns mit dem Gebiet der Mittelelbe vielfache Wichtigkeit.
Sie vollzog sich am kräftigsten über Altena, Iserlohn, Soest, Lippstadt, Paderborn,
Höxter, Einbeck, Gandersheim, Wolfenbüttel.
Wasserwege. Im Tiefland kam man allmählich dem Transportbedürf
nisse auch durch Kanalbau nach. Lüneburg verband im 14. Jahrhundert durch eine
solche Wasserstraße die Ilmenau nordöstlich mit der Elbe. Spätestens um die gleiche
Zeit wurde auch die bei Lauenburg mündende Delvenau vertieft und durch einen
Kanal mit dem Travenebenfluß Steckenitz verbunden. (Z. B. führten 1398 direkt
von Lüneburg 30 Schiffe Salz und Kalk nach Lübeck.) Auch die Verbindung zwischen
der Elbe und dem Schweriner See und von diesem bis Wismar wurde damals
hergestellt, allerdings aber schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts dem Verfalle
überlassen. Auf den Flüssen aber begann meist weit oben die Schiffahrt. Z. B.
berichtet Einhard, daß Karl der Große von Ansbach (St. Gumbert) zu
Schiff nach Würzburg (St. Kilian) gefahren fei: gewiß also nicht vielleicht in einem
Fischernachen; denn es geschah offenbar mit dem nötigen Gefolge die Fränkische
Rezat hinab und weiter. Auch sein Projekt, die heute so wichtige Schwäbische
Rezat als Fortsetzung seines Altmühl-Rednitzkanals zu behandeln, zeugt von einem
weit größeren Wasserreichtum der Flüsse jener Zeiten. Gewässer wie die Sieg
und die Fulda waren in dem größeren Teil ihres Laufes befahren. Auch in Berg
fahrt ward bei der Billigkeit der Zugkräfte so manche Stromstrecke benützt, die
heute, abgesehen von der Fahrtiefe, auch für Dampfer nicht in Betracht kommen
kann: beladene Fahrzeuge drängte man z. B. den Inn bis Innsbruck hinauf,
obwohl 20 Ochsen als Anspann nötig waren.
Allein man kann auch mit einer ausgedehnteren Exemplifikation in dieser
Beziehung doch in der ganzen damaligen Schiffahrt, einzelne längere Strecken der
Elbe, kürzere Abschnitte der Oder, der Donau und Weichsel und der größten
Nebenflüsse dieser Hauptströme ausgenommen, kein Mittel für zeitliche Entfernungs
kürzung erkennen, sobald man Distanzen von mindestens 15—20 Meilen in Rechnung
bringt. Denn man wird immer festhalten müssen, daß man aus Nachtfahrt ver
zichtete, daß besonders wegen Strombettveränderungen oder entwurzelter Bäume
damals der Untiefen weit mehr waren als beute, daß Zollstätten vielfach aufhielten,